Amphibienbus. Der Name ist nicht unproblematisch. Amphibien sind Landwirbeltiere, ihre deutsche Bezeichnung ist: Lurch. Die lebenden Amphibien werden in drei Untergruppen eingeteilt, die Froschlurche, Schwanzlurche und Schleichenlurche. "Lurchbus", das würde aber keiner sagen. "Schatz, was hältst du von einer Fahrt mit dem Schwanzlurchbus?" Unmöglich. Ebenso irritierend ist das Sprachglied "Bus", schließlich handelt es sich beim Amphibienbus technisch gesehen nicht um einen Bus, der schwimmen kann – sondern um ein Schiff, das auf Asphalt fahren kann. Sagt jedenfalls der Amphibienbusfahrer, der so gesehen auch eher ein Kapitän ist als ein Busfahrer.

Donnerstagvormittag, vor der Halbinsel Entenwerder: In der Norderelbe dümpelt ein Kasten. Spontan denkt man an die absaufenden Autos süddeutscher Touristen am Fischmarkt, die das mit der Hochwasserwarnung wieder nur halb ernst genommen haben. Auch das hier wirkt wie ein Unfall. Liegt der Bug des schwimmenden Kastens nicht schon tiefer im Wasser als das Heck? Säuft er gerade ab, treibt davon?

So sieht es aus, ist aber nicht so. Der Kasten ist auf Jungfernfahrt, hält sicher Kurs auf die Bootsrampe. Davor wird er langsamer, als müsse er Kraft sammeln. Dann hebt er sich aus der Norderelbe wie das Seeungeheuer aus Loch Ness. Nessie mit Rollen unter dem Bauch: So kriecht das Gefährt die Rampe hoch.

Ein Schiff wird zum Bus – das sieht man nicht alle Tage. Der "HafenCity RiverBus", so der offizielle Name, ist der einzige Amphibienbus seiner Art in Deutschland. Die Zulassung dauerte Jahre. Vielleicht erklärt das, wie aufgeregt sich die Fotografen nun um das beste Bild balgen. Das führt zu interessanten Szenen, etwa als sich ein Fotograf vor der Bugwelle des Busses retten will und sich dafür an einem Kollegen abstützt, der daraufhin ins Nasse stolpert, den Schubser einen "Vollhonk" nennt und dessen Körperumfang kommentiert. Dieser ist von beachtlichem Ausmaß.

Später, im Bus, muss der dicke Fotograf die Seite wechseln, daran merkt man, dass man nicht in einem normalen Bus sitzt, auch wenn sonst von innen fast alles danach aussieht: von den schaurigen Polstern bis zum Fahrer-nicht-ansprechen-Schild. Aber hier ist eben noch etwas verboten: Nicht alle dürfen auf einem Haufen sitzen. Sonst droht Schlagseite.

Man ist in der Stadt einiges gewohnt vom Umgang mit Bussen. Seit dem Streit um das Busbeschleunigungsprogramm, für das der Senat mehr als 200 Millionen Euro ausgegeben hat, ohne dafür Busse wesentlich zu beschleunigen, weiß man, dass die Hamburger selbst für kostspielige Spielereien mit diesen Fahrzeugen zu gewinnen sind. Hier nun wird eine Fahrt 25 bis 30 Euro kosten und etwa 80 Minuten dauern. Am 16. April sollen die Touren starten, bis zu sechsmal am Tag, am Brooktorkai. Erst zu Land durch Speicherstadt und HafenCity, dann nach Entenwerder, Runde schwimmen, Rückweg.