Bildungsstudien haben häufig klangvolle Abkürzungen: "Pisa" maß die Leistungen von 15-Jährigen, "Iglu" zeigte, wie schlecht Viertklässler lesen, "Markus" widmete sich Mathekompetenzen. Kaum ein Akronym ist jedoch so treffend wie "Mind". So heißt eine neue Studie der Hochschulinitiative Gate Germany, die der ZEIT vorab vorliegt. "Mind" steht für "Motivationen internationaler Nachwuchswissenschaftler in Deutschland". Mind heißt auf Englisch Geist, to mind heißt aufpassen. Genau das müssen die Unis aus der Studie lernen: aufzupassen, dass sie ihre großen Geister und klugen Köpfe aus dem Ausland nicht verlieren.

Die Zahl der ausländischen Forscher an den Hochschulen zeigt gut, wie attraktiv ein Wissenschaftsstandort ist; Exzellenz und Internationalität sind untrennbar verbunden. 19 Prozent der Dissertationen an deutschen Unis schreiben Ausländer – ein europaweit guter Wert. Trotzdem haben nur sechs Prozent der Professoren einen ausländischen Pass. Woran das liegt, darauf gibt "Mind" erste Hinweise. Zwar fühlt sich die Mehrheit der 1.500 befragten Wissenschaftler an den Universitäten wohl. Doch nur eine Minderheit will dauerhaft in Deutschland bleiben – 30 Prozent der Osteuropäer, lediglich 13 Prozent der Nordamerikaner und nur 6 Prozent der Wissenschaftler aus Ostasien.

Die Forscher kritisieren die Strukturen des Wissenschaftssystems – die Habilitation finden viele von ihnen "befremdlich", sie berichten von gläsernen Decken und Zugangsschranken. Die unsicheren Karriereperspektiven in der Wissenschaft machen den Standort unattraktiver und führen bei einigen dazu, dass sie nicht gut Deutsch lernen.

Die große Mehrheit der Forscher fühlt sich an den Unis zwar gut eingebunden. In der Studie heißt es jedoch auch, es gebe noch Potenzial, sich im Umgang mit internationalen Wissenschaftlern offener zu zeigen – nicht nur die akademischen Auslandsämter müssten sich um die Forscher kümmern, auch die Institute und Verwaltungen.

Ausländerfeindlichkeit ist in den Unis selbst kein großes Thema, durchaus aber außerhalb: Jeder zweite junge Forscher begegnet Vorurteilen, jeder vierte verbalen Übergriffen; sechs Prozent berichten sogar von physischen Attacken. Die Annahme, dass "die Reputation eines Hochschulstandorts unter ausländerfeindlichen Angriffen massiv leiden könnte, ist also nicht unbegründet", heißt es in der Studie.

Anders gesagt: Will eine Uni weiter internationale Forscher anziehen, kann sie sich bei Pegida-Demos und "Wir sind das Volk"-Rufen nicht wegducken. Wer sich nur auf Forschung und Lehre kapriziert, anstatt die Zivilgesellschaft mitzugestalten, wird die großen Geister verlieren. Man sollte besser auf sie aufpassen.