Erstaunlich an diesem Essen ist, wie schnell man es in der Hand hat. Nicht nur die Oliven, die in einem schlichten Emaille-Napf zum Aperitif auf den Tisch kommen. Auch die "Zigarren", marokkanische Frühlingsrollen mit Pinienkernen im Rinderhack. Und erst recht die Falafeln, die hier so klein sind, dass sie noch gut in den Mund passen, wenn man sie samt einer Serviette aus Fladenbrot in diverse Saucen getunkt hat.

Den Tastsinn der Gäste anzusprechen ist in der europäischen Spitzenküche gerade modern. Das muss sich lustig ausnehmen für jemanden wie Haya Molcho, die aus Israel stammt, einer Region, in der so etwas völlig normal ist. Die Frau des Pantomimen Samy Molcho wurde mit ihrem Lokal auf dem Wiener Naschmarkt bekannt. Seit ihrer Zusammenarbeit mit der Hotelkette 25hours exportiert sie ihre Rezepte nach halb Europa. Die Eröffnung des Hotels Altes Hafenamt vor wenigen Wochen brachte auch Hamburg eine Filiale.

Der Stil verkauft sich als Nicht-Stil, als gesunde mediterrane Familienküche, die Haya erst für ihre vier Söhne, dann mit ihnen entworfen hat. Die Einrichter haben diese Aura der Schluffigkeit kunstvoll im ältesten Gebäude der Hafencity installiert. Ein großer Esstisch neben vielen kleinen gibt dem schlauchartigen Souterrainraum eine Mitte. An den Wänden hängen Regale mit Einmachgläsern. Alles wirkt, als wäre es schon seit Jahren hier.

Auch die Kellnerinnen lassen einen vergessen, dass man hier im derzeit hipsten Designhotel der Stadt ist. Sie sind nett, sie sind flink, sie tragen Schürzen, wie um vorzumachen, dass Coolness hier kein Thema ist. Bei einer geht die Fürsorge so weit, dass sie in den Pflegeheim-Plural verfällt: "Wollen wir schon mal was bestellen?"

Bei den meist jungen Gästen kommt das sichtlich gut an. Sie füllen das Restaurant schon am frühen Abend bis auf den letzten Platz und sagen Dinge, bei denen der Marketingabteilung das Herz aufgehen würde: "Das ist echtes Streetfood!" – "Hier teilt man die Gerichte." Wer genauer hinsieht, merkt, dass jedes Detail im Neni durchgeplant ist, von den zerknautschten Servietten bis zu den Auberginen und Orangenkisten, die vor der offenen Küche liegen.

Das gilt auch für die Küche, die gekonnt verrührt, was junge Großstädter mögen: Slow Food und Fast Food, vegane Speisen und Pulled-Beef-Burger, alles bezahlbar und mit den Aromen eines Urlaubs im Süden. Man muss ein paar Sinne zusammennehmen, um dieser Küche nahezukommen. Das empfohlene Sabich etwa lebt weniger vom Geschmack als vom Zusammenspiel seiner cremigen Zutaten von der gebackenen Aubergine über Humus bis zum wachsweich gekochten Ei. Der Syrer um die Ecke kocht so ähnlich. Aber hier fühlt es sich besser an.

Osakaallee 12, Hafencity. Tel.: 555 57 54 42, www.25hours-hotels.com/de/altes-hafenamt/ restaurant/neni-hamburg.html. Warme Küche montags bis freitags von 12 bis 23 Uhr, am Wochenende ab 12.30 Uhr. Hauptgerichte um 18 Euro