Anita Fetz ist SP-Ständerätin in Basel. © privat

Dieses Jahr gibt es kein Lamm. Zu viele Schafe hat der böse Wolf gerissen und die lieblichen Schafweiden in grausige Schlachtfelder verwandelt. Ostern bleibt heuer ohne Gigot. Zu diesem Schluss kommt man, wenn man in der Frühlingssession einigen Herren Ständeräten zuhörte. Die Kollegen forderten deshalb, dass der geschützte Wolf jederzeit zum Abschuss freigegeben werden müsse. So wie man das bei Mäusebefall tue: Dort brauche es ebenfalls "eine Katze, die die Maus frisst". Nur wäre die Katze in diesem Fall ein menschlicher Jäger. Die müssten künftig also Wolfskeule essen, wenn man den arg schiefen Vergleich zu Ende denkt – was die tierfreundliche Mehrheit im Ständerat zum Glück unterließ. Die Antwort aus Graubünden und dem Wallis kam postwendend: Zwei Wölfe wurden illegal abgeknallt.

Ich frage mich, wie lange es dauert, bis auch der Bär wieder auf die Abschussliste kommt. Schließlich verschmäht auch er die armen Lämmer nicht. Vor anderthalb Jahren hat ein solcher Bösewicht gleich mehrere Schafe und ein Rind gerissen – ausgerechnet im Val S-charl, wo 1904 der letzte einheimische Bär erlegt wurde. Damals wurden die Viecher aber immerhin noch gegessen. Im Basler Kochbuch fanden sich neben mehreren Bärenrezepten auch Kochanweisungen für Dachs, Murmeltier, Fischotter oder Eichhörnchen. Und gegen die heuer besonders hartnäckige Grippewelle hätten unsere Vorfahren eine Nacktschnecken-Suppe empfohlen.

Andere Zeiten, andere Sitten. Damals wäre man vermutlich ebenso irritiert gewesen über die heutigen Ideen, Mehlwürmer, Grillen und Wanderheuschrecken zu züchten und zu essen. Genauso wie über die Verschwendung von Lebensmitteln. Man konnte sich Foodwaste schlicht und einfach nicht leisten. Hoffentlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Karfreitags-Fischliebhaber erkennen, dass man Hechtköpfe- und -gräten zu Suppen weiterverarbeiten kann, anstatt sie wegzuwerfen.

Apropos Essen: Auch die Landwirtschaft sorgt sich darum, was auf unsere Teller kommt. Sie träumt von Ernährungssicherheit und Selbstversorgung – und verschweigt dabei, dass sie ohne Importe von Benzin, Futter- und Düngemitteln keinen Tag überleben würde. Das Ergebnis wäre eine karge Pfahlbauer-Diät mit Getreidebrei an Milch. Da sind mir Würmer-Burger fast noch lieber, falls ich nicht vorher noch zur Veganerin werde. Schuld daran wären übrigens nicht die fehlenden Osterlämmer, sondern die Schoggi-Osterhasen. Allesamt mit millionenschweren Bundessubventionen in Form gegossen, dem Schoggigesetz sei Dank! Oder die Tatsache, dass wir Steuerzahlerinnen jährlich an Ostern unseren Bauern zwei Millionen Franken zuschanzen, damit sie das saisonale Überangebot an Eiern abbauen können. Das ist verfassungswidrig!

Aber deshalb wollen wir uns das Osterfest nicht verderben lassen: Allen frohe Ostern – und viel Spaß beim subventionierten Eiertütschen!

Nächste Woche in unserer Kolumne "Nord-Süd-Achse": Der Tessiner Financier Tito Tettamanti