Seit einem halben Jahrhundert steht sie auf der Bühne und vor der Kamera und brennt doch bei aller Souveränität immer noch auf neue Erfahrungen. Nur weil man zu den Dienstältesten zählt, ist man ja nicht schon im Rentenalter – was sie unlängst erst bewies, als sie ihre wohl populärste Rolle nach 13 Jahren aufgab. Mutig, offen und experimentierfreudig war sie schon als Kind. Selbst vaterlos aufgewachsen, hatte die Mutter ganz allein ihre zwei Töchter großgezogen. Und sie, die Jüngere der beiden, kannte ihre Ziele: "Ich träumte von schönen Rollen, und ich träumte von der Liebe." Mit 12 Jahren lieh sie ihre Stimme, deren Wärme ihr heute auch als Sängerin nützt, dem Jungen in einer TV-Serie; mit 16 erlebte sie einen ersten sogenannten Skandal. Die junge Generation rüttelte beherzt an allen Tabus, da passte eine wie sie ins Bild, weniger von der Optik her, sondern vom Charakter; das vermeintliche Manko machte sie mit Hingabe spielerisch wett.

Eines der arbeitswütigsten Regietalente holte sie öfter ins Team; ein anderer wurde ihr Liebhaber, sie zum ersten Mal Mutter – und fand sich mit dem Töchterchen alleinerziehend wieder. Wirklich erstaunlich, wie sich Familienmuster über Generationen wiederholen: "Da läuft man irgendwann nur noch als starke Frau durch die Gegend." Später begegnete sie einem Künstler, der den Familienalltag mit ihr teilen wollte. Und er, sagt sie, liebe zum Glück auch die meistens verborgene, aber vorhandene anlehnungsbedürftige Seite in ihr. Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 13:

Agrippina d. J. (15/16 bis 59), Tochter des Germanicus, Mutter Neros, Frau des Kaisers Claudius und mit dem Titel "Augusta" geehrt. 50 erhob sie ihre Geburtsstadt zur "colonia" – heute Köln. Für Tacitus war sie "entbrannt im Verlangen nach einer Schreckensherrschaft"