Die ganze Spießigkeit dieses sonst sehr schönen Landes ballt sich am Sonntagabend, 20.15 Uhr. Warum macht Deutschland da eigentlich nicht was Gescheites? Sich im Wirtshaus ein Kalbsschnitzel mit zwei Weißbier reinpfeifen zum Beispiel. Eine alte Freundin anrufen. Oder ein Schaumbad nehmen und dabei Illustrierte lesen. Aber nein, Deutschland schaut Tatort.

"Tatort gucken" ist ein Synonym für die geduckte Lebenseinstellung, die von Ritualen des Arbeitsalltags bestimmt wird: "Wir machen es uns jetzt mal auf der Couch gemütlich, die Woche wird anstrengend genug."

Dabei geht es im Tatort auch um nichts anderes als ums Arbeiten. Die Stars der Deutschen spielen Beamte im gehobenen Dienst, die ordentlich was wegschaffen. Ihr Ton ist der forsch-knappe Kompetenzsprech, der in deutschen Büros herrscht. Zwischen sieben und 13 Millionen Zuschauer stimmen sich gerne so auf eine tüchtige Woche ein.

Und jetzt rückt noch Heike Makatsch in diese Fron ein. Eigentlich ist sie das Idealbild weiblicher Lässigkeit, aber am Ostermontag schiebt sie Dienst in Freiburg. In einer altrosa Blousonjacke, die man sofort selber tragen möchte. Aber schon mit ihrer ersten Dialogzeile hüstelt sie beflissen ihren Dienstgrad ins Telefon: "Hallo, hier Hauptkommissarin Berlinger." Ach du meine Güte! Hoffentlich hält ihre Coolness das aus.