Da liegen sie, ein jedes in seinem Kästchen. Es hat etwas Wissenschaftliches, die Reihen aus türkisen Steinchen mit den Augen wieder und wieder abzuschreiten. Wie kostbare Zellproben unter dem Mikroskop sind sie aufbereitet und wollen studiert werden. Der Forschungszweck der Betrachtung? Keiner. Mit anderen Worten: Kunst.

Der einzige Grund, sich eine Lade aus 42 Boxen mit Andenopalen aus Peru zuzulegen, ist die Freude daran, eine eigene Schatzkiste zu haben. Paraiba, so nennt man dieses blau-grüne Strahlen nach einer anderen Edelsteinsorte aus einer Region in Brasilien, eine äußerst seltene Farbe, wie der Katalog des Auktionshauses Henry’s aufklärt (die Auktion findet am heutigen Donnerstag statt, das Mindestgebot lautet 180 Euro). Was eben noch in einer Berglandschaft am anderen Ende der Welt vor sich hin schlummerte, ist hier entborgen und zum Leuchten gebracht.

Einander ähnlich und doch völlig asymmetrisch, wirken die kleinen Steine von oben betrachtet wie ein Zeichensystem. Sie könnten Hieroglyphen sein oder der Versuch, die einzelnen Töne einer Melodie zu visualisieren. Wie aus Farbe getupft scheinen die runden, ovalen und eckigen Formen, wie bewusst gesetzte Punkte auf einem Aquarellbild. Aus Steinen wird so ein eigenes Werk mit eigener Logik, eine Komposition ohne Künstler, die einen staunen lässt. Darüber, wie einzigartig jede noch so kleine Gewebeprobe dieser Welt ist. Keine und keiner gleicht dem anderen. Darin liegt alle Schönheit.