Das große Geld der Fondsmanager folgte in diesem Frühjahr der großen Furcht vor Krisen, Konflikten und Konjunktureinbrüchen. Laut einer Befragung der amerikanischen Bank of America Merrill Lynch flohen die Geld-Jongleure aus Rohstoffen und Schwellenländern, hinein in Aktien von Pharmaherstellern, Gesundheitskonzernen, Versorgern und Telekomfirmen. Fondsmanager in der Defensive – das ist ein Warnsignal für Anleger. Erst recht, wenn sie so risikoscheu sind wie die Deutschen.

Was aber heißt defensiv? In der Tat geht es um einen Kampf, um die Verteidigung von Vermögenswerten gegen die Schocks kurzfristiger Marktpanik. Zur klassischen Abwehrstrategie gehören Barmittel und Geldmarktfonds, in die deutsche Anleger im vergangenen Jahr mit 1,6 Milliarden Euro so viel Geld wie seit Jahren nicht mehr investiert haben. Und es zählen sogenannte Standardwerte dazu, Aktien von Unternehmen, die eine Marktkapitalisierung von mindestens einer Milliarde Euro aufweisen, regelmäßig Dividende zahlen und ein Geschäftskonzept haben, das Erfolg bewiesen hat. Meist sind es Konzerne, die essenzielle Bedürfnisse befriedigen wie Versorger, Nahrungsmittelhersteller, Telekomfirmen und Pharmakonzerne. Strom, Müsli und Medizin brauchen die Menschen immer, ganz gleich, wie es um die Konjunktur bestellt ist.

Am Anleihemarkt ist es schwieriger, defensiv aufzutreten: Wer Papiere mit höchster Bonität, also Sicherheit kaufen will, muss heute mit Null- oder Negativrenditen leben. Umstritten ist auch, ob Gold ein guter Schutzschild ist, sein wahrer Wert ist schließlich kaum zu ermessen.

Die starken Schwankungen an den Aktienmärkten haben in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass Fonds populär geworden sind, die ebenfalls vorsichtig investieren. Nach Angaben des deutschen Fondsverbands BVI haben Anleger 2015 doppelt so viel Geld in Mischfonds gesteckt wie in Aktienfonds. Mischfonds gelten dann als defensiv, wenn sie einen relativ hohen Anteil an Renten beinhalten, also an festverzinslichen Wertpapieren, und nur etwa 25 bis 30 Prozent Aktien. Laut einer Untersuchung des Analyseunternehmens Morningstar aus dem Herbst 2015 bieten solche Fonds das beste Verhältnis von Risiko und Ertrag und sind unter allen Mischfonds außerdem die günstigsten.

Mehr Zulauf haben auch alternative Anlagefonds erhalten. Sie investieren nicht nur in einen Mix aus Anleihen und Aktien, sondern nutzen auch Derivate – sie sichern sich also mit Wetten auf zukünftige Marktpreise gegen Kursverfall ab. Die Fonds werden auch Multi-Asset-Fonds genannt, da sie auch in Währungen und Rohstoffe investieren können. Ihre Manager versuchen, an den globalen Märkten Trends aufzuspüren. Aber Vorsicht: Je freier sie entscheiden können, desto gefährlicher können die Folgen von Fehlentscheidungen sein.

Auch defensive Fonds können Nachteile haben. Am stärksten spüren Anleger das bei sogenannten Garantiefonds oder wertgesicherten Fonds. Sie garantieren die Rückzahlung des Kapitals und stellen noch dazu eine Rendite in Aussicht. Man merkt es schon: Das Konzept widerspricht der Logik, nach der nur Risiko mit Rendite belohnt wird – und tatsächlich warfen viele der Garantiefonds zuletzt kaum Geld ab.

Auch bei den populären Mischfonds müssen Anleger vorsichtig sein. Nach Angaben des BVI haben ausgewogene, international investierende Mischfonds zwar in den vergangenen drei Jahren im Schnitt eine Rendite von 4,3 Prozent erzielt. Das aber ist keine Superleistung bei einem Markt, der bis Sommer 2015 eine kräftige Aktienhausse erlebt und seit 2012 von der Erholung der Anleihemärkte in der Währungsunion profitiert hat. Diese Zeiten sind vorbei – seit Jahresbeginn verbuchen die Fonds nun sogar Verluste.

Dazu kommt, dass die ausgewiesenen Renditen der Fonds nicht die jährlichen "laufenden Kosten" von ein bis zwei Prozent und den Ausgabeaufschlag von bis zu fünf Prozent berücksichtigen . Nach Zahlung dieser Gebühren bleibt also relativ wenig von der Rendite übrig. Dies ist vor allem bei aggressiven Mischfonds der Fall, die einen hohen Aktienanteil haben, und bei flexiblen Mischfonds, die ihr Kapital fast ganz frei investieren können.

Eine Alternative zu gemanagten Fonds sind Exchange Traded Funds, kurz: ETFs. Sie bilden dabei stur einen Börsenindex ab, verzichten also auf teure Manager. So wie der MSCI EMU Defensive UCITS (ISIN: IE00BMP3HL79) der UBS, der in defensive Standardwerte in der Währungsunion investiert, oder der Amundi ETF MSCI Europe Consumer Staples UCITS (FR0010688168), der sein Kapital in Konzernen aus dem Basiskonsumgüter-Sektor anlegt.

Doch bevor man nun Fonds oder Aktien kauft, sollte man eins bedenken: Defensive Titel sind in der gegenwärtigen Schwächephase der Renner, also teuer. Und selbst nach der fatalen Finanzkrise 2008 haben sich die Märkte schnell erholt. Es kann daher riskant sein, jetzt andere Anlagen zu verkaufen, Verluste zu realisieren und die Möglichkeit zu verspielen, an einem Aufschwung zu partizipieren. Im Zweifel gilt dann lieber: Augen zu und durch.