Sehr geehrter Herr Präsident Erdoğan,

aus den Medien mussten wir erfahren, dass Sie sich geärgert haben. Deutsche Journalisten haben in einem satirischen Fernsehbeitrag Ihre Anstrengungen kritisiert, die Pressefreiheit in der Türkei auf ein vertretbares Maß zu reduzieren. Wir verstehen Ihre Wut, denn dieser Beitrag hat nicht zuletzt Ihre verfassungsmäßig garantierten Gefühle als Staatsoberhaupt verletzt. Dafür möchten wir uns bei Ihnen in aller Form entschuldigen.

Die Entgleisungen, die sich die Autoren der NDR-Show extra 3 erlaubt haben und die sich seither ungehindert auf YouTube ausbreiten, wiederholen wir hier natürlich nur ungern. Wir denken aber, dass dies notwendig ist, um unseren Lesern die Tiefe der Beleidigung vor Augen zu führen, die Ihnen widerfahren ist. Immerhin haben Sie derentwegen den deutschen Botschafter in Ankara einbestellt, und das tun Sie üblicherweise nur in schwerwiegenden Fällen.

Die Journalisten von extra 3 also hatten einen beliebten Popsong umgedichtet, unter anderem in die Zeilen: "Ein Journalist, der irgendwas verfasst, was Erdoğan nicht passt, ist morgen schon im Knast." Sie zeigten außerdem Bilder eines Treffens zwischen Ihnen und Bundeskanzlerin Angela Merkel, unterlegt mit dem Text "Sei schön charmant, denn er hat dich in der Hand".

So dürfen Partner selbstverständlich nicht übereinander reden. Auch im Namen der Bundesregierung können wir Ihnen, sehr geehrter Herr Präsident, nur unser Bedauern darüber zum Ausdruck bringen, dass der Journalismus in diesem Land noch immer nicht die angemessene Ehrerbietung vor immerhin gewählten Amtsträgern zeigt. Einige Nationen Europas hängen der vormodernen Idee an, eine Demokratie müsse die Gewählten beständig kontrollieren, was bisweilen sogar satirisch-überspitzte Äußerungen rechtfertige. Wir hoffen, Sie verstehen, dass sich solch eingeübte Geisteshaltungen nicht von heute auf morgen verabschieden. Wie Sie selbst wissen, braucht der Wandel Zeit.

In diesem Sinne verzeihen Sie bitte die Unannehmlichkeiten, die Ihnen durch den extra 3-Beitrag entstanden sind. Wir werden Ihnen in den nächsten Tagen einen Gutschein übermitteln, mit dem Sie einige Tausend zusätzliche Flüchtlingsübernahmen bei uns einlösen können, in der Hoffnung, Ihnen damit wenigstens eine kleine Freude bereiten zu können.