Die Gäste, die Nachbarn, die internationale DJ-Avantgarde, die Alten, die ihn noch von früher kennen, die Jungen, für die er eine Legende ist: Alle lieben ihn. Selbst Bezirkspolitiker, die für verrauchte und graffitibeschmierte Kaschemmen mit zu lauter Musik meist wenig übrig haben, machen im Fall des Golden Pudel Clubs eine Ausnahme. "Wir sind stolz auf Ihren Club und auf sein besonderes musikalisches Programm", schrieben die Bezirksamtsleiter von Hamburg-Mitte und Altona in einem gemeinsamen Brief an die Pudel-Mitbetreiberin Charlotte Knothe. "Wir hoffen, dass Sie Ihren Betrieb an diesem Standort bald wieder aufnehmen."

Ihren Betrieb. An diesem Standort. Um diesen Anspruch geht es.

In der Nacht vom 13. zum 14. Februar ist das Dach des Golden Pudel Clubs in Flammen aufgegangen, vermutlich durch Brandstiftung, seither liegt der Traditionsclub der Hamburger Alternativszene brach. Die Fans klagen auf seiner Facebookseite. "Geschockt" und "entsetzt" sind sie und finden das alles "unfassbar". – "Je suis Pudel", postet einer in Anlehnung an die Solidarität mit den Opfern des Charlie Hebdo-Anschlags in Paris. Kein Vergleich ist zu groß, kein Vorwurf an die Gegenseite zu schwer, es geht hier offenbar längst nicht nur um einen 250-Quadratmeter kleinen, reichlich abgerockten Club auf wertvollem Baugrund am Hafenrand, sondern mindestens um Terrorismus, wenn nicht um die Zukunft der Stadt. "Es gibt niemanden, der uns nicht will", sagt Charlotte Knothe. "Eigentlich geht es nur um den Konflikt mit einer Privatperson."

Die Privatperson: Das ist der Pudel-Miteigentümer Wolf Richter, mit dem seit mehr als fünf Jahren ein unversöhnlicher Streit tobt. Richter, ein Jugendfreund von Pudel-Urgestein Rocko Schamoni, ist der große Blockierer.

Zurzeit verhindere er – behaupten die Pudel-Macher –, dass die Brandschäden beseitigt werden, damit der Club wieder öffnen könnte. Ein paar Tage nach dem Brand am 13. Februar 2016 hätten sich Richter und Schamoni, denen Grundstück und Haus zu gleichen Teilen gehören, mit einem Architekten, den Vertretern ihrer Versicherung sowie einem Bausachverständigen getroffen. Laut Aussage von Schamoni vereinbarte man, das Spitzdach und den ersten Stock abzutragen und den Club mit einem provisorischen Flachdach zu verschließen. Die Versicherung hat die Zahlung in Aussicht gestellt. "Wenn’s nach mir gegangen wäre, wären wir schon damit fertig", bestätigt der Architekt Thorsten Liehmann. "Das hätte vielleicht zwei, drei Wochen gedauert."

Doch dazu kam es nicht – als der Bauauftrag erteilt werden sollte, sei Richter nicht zu erreichen gewesen, heißt es auf der Pudel-Website. "Mehrere Wochen regnete es daraufhin in das offene Dach. Auf Schreiben unserer Anwälte hin, Schadensersatzforderung geltend zu machen, nahm Richter mit Arbeitern auf dem Grundstück einige stützende Notfallmaßnahmen am Dach vor und brachte eine Plane an."

Man wüsste gerne, wie der Grundstücks-Miteigentümer die Angelegenheit sieht. Doch Wolf Richter reagiert nicht auf Nachrichten und Anrufe, auch sein Anwalt ruft nicht zurück und beantwortet per Mail gestellte Fragen nicht.

Die einen organisierten die Party, der andere schuftete auf der Baustelle

Derweil ist das Pudel-Lager dazu übergegangen, den Konflikt in militärischen Kategorien zu beschreiben. Es sei "wichtig, so einen Ort zu halten und zu verteidigen", sagt Charlotte Knothe. Die Gegenseite, das sind die Systemgastronomen, Charts-DJs und Investoren. Sie wollen St. Pauli erobern.

Mit ihrer strengen Kurzhaarfrisur, dem altmodischen Mantel und den Damenschuhen mit Krönchen sieht die Pudel-Programmmacherin aus wie eine Tanzlehrerin aus den sechziger Jahren. Mit Erwartungen brechen, sich vom Mainstream absetzen, Nischenkultur pflegen: Wer in der Pudel-Gemeinde mitmischt, will anders sein. Die bekannten Köpfe sind unter feurigen Namen wie Rocko Schamoni, Schorsch Kamerun oder Viktor Marek bekannt – wer will schon wissen, dass ihre Eltern sie Tobias Albrecht, Thomas Sehl und Volker Matzken getauft haben? Und Charlotte Knothe – nicht weniger Spiritus Rector als die prominenteren Herren – muss eben so aussehen, wie man sich die Geschäftsführerin eines superprogressiven Nachtclubs genau nicht vorstellt. 1996 ist sie als Barfrau zum Pudel gekommen – kurz nachdem der Club sein Domizil an der Hafenstraße bezogen hat. Zwanzig Jahre Pudel, reicht es da nicht auch mal? Aber nein! "Ich finde das super!", ruft sie.