Er galt als "Alphawolf" der Hedgefonds-Szene, einer Branche, der es an Männern mit großen Egos nicht mangelt. Noch Anfang vergangenen Jahres kürten die Finanzreporter von Bloomberg Markets Bill Ackman zum Besten der Besten, zum Topmanager dieser hochspekulativen Anlageindustrie. Das Society-Blatt Vanity Fair schwärmte von seiner wahnwitzigen Finanzakrobatik, dem silbernen Haarschopf, den himmelblauen Augen.

Doch nun bangt der 49-jährige Gründer der Anlagegesellschaft Pershing Square Capital Management um seinen Ruf als Geldvermehrer. Eine fehlgeschlagene Wette auf den Pharmakonzern Valeant, dessen Kurs nach Vorwürfen von Bilanzkosmetik und Preistreiberei eingebrochen ist, hat Ackmans Fonds bisher drei Milliarden Dollar gekostet. Das ist selbst in einer Welt viel Geld, die nach der Devise handelt: Lieber öfter falschliegen als einmal zweifeln. Schlimmer noch als die Verluste: An der Wall Street gehen Gerüchte um, dass Anleger von Ackmans Fonds im großen Stil ihr Kapital abziehen wollen.

Ackman ist nicht die einzige Hedgefonds-Größe mit einem lädierten Ruf. John Paulson etwa verdiente in der Finanzkrise mit seiner Wette gegen den US-Immobilienmarkt noch sagenhafte 3,7 Milliarden Dollar. Doch seither hat er einen Fehlgriff nach dem anderen getan. Und Steve Cohen, den sie an der Wall Street den "Zauberer" nannten wegen seiner Fähigkeit, Kurse vorauszuahnen? Er musste seinen Fonds auf Geheiß der Börsenaufsicht nach Insiderhandel dichtmachen. (Dafür darf er noch mit seinem eigenen Ersparten spekulieren, immerhin geschätzte zwölf Milliarden Dollar.)

Die Hedgefonds-Manager, einst die Teufelskerle der Finanzbranche, stecken in der Midlife-Crisis. Für ihre Manager sind das schlechte Nachrichten, für den Rest der Welt sind sie womöglich gut. Denn auf die Balance im Finanzsystem wirken die Wachstumsstörungen der Branche positiv.

Die hochspekulativen Fonds, welche die fettesten Gebühren der Wall Street verlangen, haben zuletzt nur mäßige Ergebnisse geliefert. Der Index HFRI Fund Weighted Composite, der als Messlatte für die Leistung der Branche gilt, machte im vergangenen Jahr ein Prozent Minus. Wer sein Geld stattdessen in einen billigen Indexfonds mit den Aktien der 500 größten börsennotierten US-Unternehmen gesteckt hatte, konnte dagegen immerhin 1,2 Prozent gewinnen – vorausgesetzt, er reinvestierte die Dividenden. Im Jahr 2015 mussten zudem mehr Hedgefonds dichtmachen, als neue eröffneten. Fast 2000 dieser Fonds haben in den vergangenen beiden Jahren aufgegeben. Ein derartiges Hedgefonds-Sterben gab es zuletzt während der Finanzkrise. Und dieses Jahr hat nicht besser begonnen: In den ersten zwei Monaten verlor der HFRI-Index bereits 2,3 Prozent.

Es reicht schon lange nicht mehr aus, eine gute Investmentidee zu haben

Manch wichtige Investoren verlieren angesichts solcher Zahlen die Geduld. Der 290 Milliarden Dollar schwere Pensionsfonds Calpers, der die Altersruhegelder der öffentlich Bediensteten des Bundesstaates Kalifornien verwaltet, kündigte 2014 an, sich aus all seinen Hedgefonds-Engagements zurückzuziehen. Calpers ist der größte öffentliche Pensionsverwalter der USA und gilt als Leithammel vieler institutioneller Investoren.

Der Druck auf die einst viel bewunderten Kapitaljongleure sei gestiegen, sagt Ken Heinz vom führenden Branchendienst Hedgefonds Research HFR: "Die Kunden wollen mehr Kontrollen, mehr Transparenz. Das bedeutet mehr Infrastruktur und treibt die Kosten hoch." Kleinere Fondsmanager haben deshalb kaum noch eine Chance. "Alles unter 500 Millionen Dollar ist langfristig nicht überlebensfähig", sagt ein Insider. Vorbei seien die Zeiten, als sich Investoren durch den Glamour der Branche blenden ließen, sagt Gustavo Dolfino, ein Investmentbanker, der Hedgefonds berät. Nur wer Gewinne nachweise, könne noch mit Zuflüssen rechnen.