Hauz Khas Village ist das schickste Einkaufs- und Ausgehviertel in Delhi. In den engen Gassen quetschen sich schicke Häuser, Luxusgeschäfte und Szenebars. Nur ein paar Schritte von den Flanierpfaden entfernt liegt eine kleine Siedlung von Hütten und Verschlägen, in die sich kein Einkaufsbummler oder Partygänger verirrt. Hier, auf der Rückseite des Reichtums, leben die Armen in beißendem Qualm.

Die Leute, die hier wohnen, arbeiten oft in den Häusern der Nachbarschaft als Putzfrauen, Fahrer oder Nachtwächter. Abends kochen die Frauen das Essen für ihre Familien. Die Töpfe und Pfannen, in denen Brotfladen gebraten und Eintöpfe heiß gemacht werden, stehen dann auf einfachen, gemauerten Feuerstellen, in denen Äste und Zweige verbrannt werden. Die ganze Gasse ist von dichten Rauchschwaden erfüllt. Man sieht wie durch einen windzerzausten Wolkenschleier hindurch und traut sich kaum noch, Atem zu holen.

Luftverschmutzung ist ein enormes Problem in Indien, besonders in der Hauptstadt Delhi. Die Belastung mit feinen Staubpartikeln ist oft schlimmer als in der berüchtigten Smog-Metropole Peking. Im Winter bewegt man sich manchmal tagelang durch schmutzig grauen Nebel. Kinder, die hier aufwachsen, haben schlechtere Lungenwerte als anderswo im Land. Ausländer, die für einige Jahre in der Stadt arbeiten, überlegen, ob sie wegen der Feinstaubplage ihren Delhi-Aufenthalt abkürzen sollten. Im vergangenen Jahr hat sich ein Korrespondent der New York Times mit einem zornigen Artikel über die indische Umwelt- und Gesundheitssituation vorzeitig aus dem Land verabschiedet.

Die Zeiten, in denen Staat und Bevölkerung die immer giftigere Luft schicksalsergeben hingenommen haben, scheinen zu Ende zu gehen. Indiens oberster Gerichtshof hat in den ersten Monaten des Jahres für den Großraum Delhi die Zulassung von Dieselfahrzeugen mit mehr als zwei Liter Hubraum gestoppt. Das indische Kabinett hat beschlossen, dass das Land von der geltenden Euro-IV-Abgasnorm für Autos im Jahr 2020 gleich zu Euro VI übergehen und die weniger anspruchsvolle Euro-V-Zwischenstufe überspringen soll. In Delhi wird im April zum zweiten Mal ein zweiwöchiges Großexperiment durchgeführt: Pkw mit geraden und ungeraden Kennzeichen dürfen nur von Tag zu Tag abwechselnd auf die Straße. Zum ersten Mal herrscht in Indien wirklich die Stimmung: Es reicht. Man muss etwas tun.

Allerdings stammt nur der geringere Teil der Luftverschmutzung von Autos. Zweiräder tragen ebenso zur Emissionslast bei wie Industrieabgase oder der Staub von Baustellen und unbefestigten Straßenrändern. Hinzu kommen, vor allem auf dem Land, aber auch bei den Armen in der Stadt, das Verbrennen von Biomasse wie Holz, Blattwerk oder Kuhfladen, zum Kochen, zum Heizen oder zur Entsorgung. Selbst in der Verkehrshölle Delhi, wo der Anteil der Kraftfahrzeuge am Feinstaubaufkommen mit 20 Prozent für indische Verhältnisse besonders hoch liegt, ist die Biomasse-Verfeuerung mit zwölf Prozent mitverantwortlich. Dazu gehören auch die Feuer der Hausfrauen von Hauz Khas Village.

Soni kocht Dal, das Linsengericht, in Indien die einfache warme Speise schlechthin. Sie hilft in zwei privaten Haushalten beim Putzen und Kochen. Ihren Ofen hat sie aus Ziegeln und Lehm selbst gemauert: unten eine Kammer für das Brennholz, oben eine ringförmige Öffnung, auf der Topf oder Pfanne stehen. Wenn es regnet, wird eine Plastikplane wie eine Markise über die Kochstelle gezogen. Die Äste und Zweige findet Soni im Park nebenan.

Ein paar Männer aus der Nachbarschaft haben sich auf der Gasse versammelt. "Natürlich beißt der Qualm", sagt einer, "aber wir sind bloß Arbeiter, was können wir machen?" Warum kocht Soni nicht mit Gas, das die meisten Haushalte in Delhi in Zylindern geliefert bekommen und das der weitaus sauberste Brennstoff ist? Gas, sagt sie, sei zu teuer.