Bahnkunden bringt es zur Verzweiflung: das Wechsel-dich-Spiel am Bahnhof, in letzter Minute vor Abfahrt des Zuges. Die Eltern, schon älter, wollen nach Sylt, aber ohne Stress, also mit dem Zug (lachen Sie jetzt nicht!). Frühzeitig chauffiert man sie samt Koffern zum Bahnhof, in dem Fall: Dammtor. Sieht auf dem Wagenstandsanzeiger nach, wo der Wagen mit ihren Plätzen halten wird, positioniert sie samt Gepäck optimal auf dem Bahnsteig. Und dann fährt der IC Dresden–Westerland ein und macht alles zunichte. Die erste Klasse ist nicht, wo sie angekündigt war, die zweite Klasse auch nicht, die reservierten Plätze erst recht nicht. Allen anderen am Bahnsteig geht es ähnlich, alle beginnen zu hasten, nach vorne, nach hinten, stoßen zusammen, in Abschnitt C wird gebrüllt. Und als der IC verspätet den Bahnhof verlässt, bleiben zurück eine schluchzende Dame in Abschnitt A und ein grüner Rollkoffer in Abschnitt E. Zum Glück gehören beide zusammen.

Wieso weiß hier niemand, dass sich die Wagenreihung des Zuges geändert hat – oder verrät es nicht? Schließlich hat sich der Zug ja nicht hinter der letzten Kurve kurz mal umgedreht. Er hat schon lange vorher einmal zu wenig oder einmal zu oft die Fahrtrichtung gewechselt. Oder er ist ein Ersatzzug, der im Betriebswerk bereitgestellt wurde und den zu wenden keine Zeit mehr war. Denn dafür braucht es einen Kopfbahnhof oder ein Gleisdreieck, und die Nummer dauert 60 Minuten. Verständlich, dass die Bahn da lieber mit anderer Wagenreihenfolge losfährt. Aber warum gibt es dazu oft keine Informationen, keine Durchsagen, keinen Hinweis auf den Anzeigetafeln? Zumal längst ein "ReisendenInformationsSystem" über Verspätungen und auch eine abweichende Wagenreihung existiert. Bahnmitarbeiter können darauf zugreifen und via Internet und App auch Kunden. Allerdings: "Die Informationen zur Orientierung und Reihung von Zügen", so eine Bahnsprecherin, "wurden bisher manuell eingespeist."

Manuell heißt: Wenn einem Bahnmitarbeiter etwas Wichtiges dazwischenkommt (was durchaus passieren kann), dann haben auf den folgenden Bahnhöfen die Kunden Stress.

"Unfassbar!", sagen Sie jetzt? "Gibt es denn nicht die Möglichkeit, das automatisch zu erledigen?!"

Doch – und das ist die gute Nachricht: Eine neue Software soll neuerdings mittels Sensoren in den Betriebswerken automatisch und rechtzeitig errechnen, welcher Zug in welcher Reihenfolge ankommt. "Unser Ziel", so die Sprecherin: "Vollständige und korrekte Anzeige der relevanten Züge, hundert Prozent korrekte Anzeige der Wagenreihung." Ein Traum. Ein Traum?