Noch ist etwas mehr als eine Woche Zeit. Noch könnte wieder ein Retter aus dem Nichts auftauchen. Ein neuer Investor. Doch selbst in der Lübecker Politik, wo sie große Erfahrung mit überraschenden Rettern haben, wo sie sich seit Jahren mit großem Elan ihren Flughafen schönrechnen, ist der Optimismus verschwunden. Der Lübecker Flughafen Blankensee steht wohl vor dem Aus.

Wenn Blankensee nach 99 Jahren endgültig schließen sollte, ist das vor allem eine Niederlage für Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). "Zu einer Weltstadt gehören ein Hafen und ein Flughafen", hatte er seinen politischen Anspruch einmal auf den Punkt gebracht – freilich passte dieser schon damals nicht zur wirtschaftlichen Realität. Die jüngere Geschichte des Regionalflughafens liest sich wie eine überdrehte Seifenoper:

2005 verkaufte die Stadt den Flughafen an einen neuseeländischen Investor. Der hatte große Pläne – und gab den Flughafen 2009 nach massiven Verlusten zurück.

Anschließend versuchte sich die Stadt als Flugplatzbetreiber – und gab nach großen Verlusten auf.

2012 kaufte ein deutsch-ägyptischer Investor den Flughafen für einen Euro. Der hatte große Pläne – und verschwand nach anderthalb Jahren spurlos.

Genau im richtigen Moment tauchte dann ein chinesischer Geschäftsmann auf. Der hatte große Pläne – und stellte ein Jahr später seine Zahlungen ein, wenige Wochen nachdem die ZEIT (Nr. 26/15) über seine zweifelhaften Ideen berichtet hatte.

Seit Ende September sucht Insolvenzverwalter Klaus Pannen nun nach einem neuen Retter. Von fünf Interessenten war anfangs die Rede. Doch seither verzögerte sich die angekündigte Entscheidung bereits viermal. Mutmaßlich auch durch den Verkauf eines Anwesens aus der Insolvenzmasse konnte der Betrieb des Flughafens aufrechterhalten werden. Doch nun ist bald das letzte Geld verbraucht: Wenn bis Mitte April kein Investor gefunden sei, sei Schluss, erklärte Pannen kürzlich.

Klar ist schon jetzt, dass am 15. April Schluss ist mit Linienflügen in Lübeck. Nachdem vor zwei Jahren die Billigfluglinie Ryanair nach Hamburg-Fuhlsbüttel umgezogen ist, plant nun auch die ungarische Wizzair, nicht mehr von Lübeck, sondern von Hamburg aus nach Bukarest, Riga und Sofia zu fliegen. Die Billigfluglinie begründete ihren Schritt mit den finanziellen Problemen in Lübeck, aber auch mit Vorteilen für die Kunden: Für die meisten Passagiere sei der Weg nach Hamburg eben doch kürzer.

Das bringt das Problem auf den Punkt: Der Flughafen in Fuhlsbüttel hat auf Jahre ausreichend Kapazitäten und ist deutlich besser angebunden als der kleine Flugplatz im Umland von Lübeck.

Dass der Flughafen in Lübeck seit Jahren nur mit Millionenzuschüssen zu betreiben ist, hat sich inzwischen offenbar bis zu den Investoren herumgesprochen. Von drei verbliebenen Interessenten war zuletzt in mehreren Lokalmedien die Rede. Der angebliche Favorit setzt dabei nicht mehr auf Flugverkehr: Er will den Flughafen offenbar nutzen, um Flugzeuge abzuwracken. Eine Frist, ein Finanzierungskonzept vorzulegen, ließ er allerdings verstreichen. An diesem Donnerstag tagt nun der Hauptausschuss der Lübecker Bürgerschaft zu dem Thema.

Insolvenzverwalter Pannen hofft laut Medienberichten auf Hilfe der Stadt. Er gehe davon aus, dass Geld fließen werde, um die Hoffnung auf die Rettung von 50 Arbeitsplätzen zu erhalten, sagte er den Lübecker Nachrichten zuletzt. Auf Anfrage der ZEIT meldete er sich bis zum Redaktionsschluss nicht zurück. Eine Sprecherin der Stadt erklärte, man wolle sich dazu nicht äußern. Die Mehrheit der Parteien der Bürgerschaft hatte zuletzt verkündet, die hoch verschuldete Stadt wolle nicht mehr in den maroden Flughafen investieren.