Empörend! Eine Frechheit. Unfassbar, albern, abgeschmackt, eine Kinderei. Wir protestieren. Ein Anschlag auf den ganzen Golfsport. Wer steckt bloß hinter dieser Verhöhnung? Der Muslim? Der Mossad? Moskau?

Natürlich, lieber Leser: Auch wir trauten unseren Augen nicht, als wir zum ersten Mal mit diesen Schmuddelbildern konfrontiert wurden. Golf ist zweifellos ein ernster Sport, ein Sport von äußerster Seriosität. Ein Spiel für reife Menschen jeden Alters mit angemessener Haltung, die sich auf dem Green selbstverständlich zu bewegen wissen. Nein, es geht dabei gar nicht um Geld oder Klasse, wie immer wieder schiefmaulig insinuiert wird. Der kleine Mann, die kleine Frau hat genauso Freude am Einlochen! Ein gutes Spiel passt auf den kleinsten Rasen.

Aber auch Golf erfordert eben, wie unser verehrter Fußballtrainer Joachim Löw im Zusammenhang mit seiner Arbeit zu sagen pflegt, "högschde Konzentration": auf den Ball, das Loch, auf Schlag und Spiel. Es geht hier schließlich um was. Umso mehr müssen Fotos wie diese irritieren.

Woher kommen sie? Was sind das nur für Menschen, die so etwas machen? Zeitvergeudung, bloß darüber nachzudenken, auch nur eine Zeile darüber zu lesen. Wir alle wissen, dass Sport und Komik sich nahezu ausschließen, dito – das Thema ist unter erwachsenen Menschen kein Tabu – Sex und Komik, und übrigens auch klassische Musik und Komik, oder kennen Sie eine komische Sinfonie?

Dies alles sind ernste, bedeutsame Künste, die mit Sorgfalt, sowohl im Technischen wie im rein Menschlichen, ausgeführt werden wollen. Künste, die man üben und gut studieren muss. Sie bilden eine existenzielle Trias, auf der nicht zuletzt das Abendland beruht und noch vieles darüber hinaus, zum Beispiel das Morgenland.

Der Mensch, der nach dem wahrlich überzitierten Diktum Friedrich Schillers nur Mensch ist, wenn er spielt (und nicht, wenn er lacht!), ergibt sich diesem Tun in stiller Reinheit und Demut. Er trägt hübsche Kleidung und Frisur, er freut sich – aber er grinst dabei doch nicht!

Dennoch sind wir quasi gezwungen, uns mit diesen billigen Scherzen auseinanderzusetzen. Diese Fotos existieren. Wir können nicht ausweichen, wir müssen uns ihnen stellen, sie sind Teil der Golf-Geschichte, Teil unserer Zeit. Sie sind zum größten Teil – wie könnte es anders sein? – anonym auf uns gekommen. Sie zeigen bizarre Situationen, die nur schwer einzuordnen sind.

Einige der Bilder erinnern an Standfotos aus einem seichten Filmlustspiel der zwanziger oder dreißiger Jahre, anderes scheint aus der Werbung der Fünfziger zu stammen, oder es sind bloß Schnappschüsse von Momenten, die der Fotograf für komisch hielt – die aber tatsächlich tiefen Ernst in sich bergen. Denn gemahnt uns der plötzliche Regenguss, der die Golffreunde bei den British Open überfällt, dem ehrwürdigsten Turnier der Welt, nicht an die Wechselfälle des Schicksals? Das kleine Kind im Trolley nicht an das Ausgesetztsein des Menschen? Die Crew auf dem Elefanten nicht an die launische Fortuna auf ihrer sich immerzu drehenden Kugel?

Was um Himmels willen soll ein Golfsportler an diesen Fotos komisch finden!

Nein, hier müssen wir die rote Linie ziehen, und wir zeigen Ihnen, liebe Leser, diese Bilder allein zu dokumentarischen Zwecken. Wir wissen und sind uns darin mit Ihnen einig: Ein Golfkönner und -kenner locht, locht ein, aber er lacht nicht.

So betrachten auch wir diese Bilder mit steinerner Miene und überlassen das Grinsen und Gekicher jenen, die noch nie einen Schläger gefühlt haben, die nicht wissen, was ein Green, ein Put oder ein Caddy ist. Ja, wir hier im Hamburger Helmut-Schmidt-Pressehaus halten der Spaßgesellschaft stand und tun unsere Pflicht, Zeile um Zeile füllen wir das Loch.