DIE ZEIT: Herr Kübler, was haben die Welt des Golfs und die Welt des Topmanagements gemeinsam?

Frank Kübler: Im Golf wie auf der Führungsebene entwickelt man einen richtigen Ehrgeiz. Es geht um jeden Ball, man will gewinnen. Beim Golf merkt man aber schneller, dass es, selbst wenn man den ersten Ball sehr gut geschlagen hat, keine Garantie für einen guten Verlauf gibt. Man kann jederzeit viele Fehler machen, man kann übermütig werden.

ZEIT: Manager reden immer vom Team. Golf ist kein Teamsport.

Kübler: Man spielt für sich, ja. Und trotzdem kann man voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen, auch wenn es nachher darum geht, dass der eine besser als der andere ist. Das ist das, was in der Managementpraxis noch nicht so oft genutzt wird wie auf dem Golfplatz.

ZEIT: Manche Alphamenschen an der Spitze der Unternehmen treten mit enormem Ehrgeiz im Sport an. Hilft so großer Ehrgeiz beim Golf, oder schadet er?

Kübler: Beim Golf ist auch Demut hilfreich. Ich merke es bei mir: Wenn ich übermotiviert bin, geht es schief. Man muss schon eine gute Balance finden, braucht eine gute Technik, muss dann dosieren. Zu viel Kraft schadet, dann kostet es auch sehr viel mehr Energie. Gesunder Ehrgeiz und echte Reflexion: Man braucht beides, beim Spiel und in der Wirtschaft.

ZEIT: Im Golfen gibt es manchmal so etwas wie "Flow", man spielt besonders gut in einer Art Halbbewusstsein. Gibt es das im Management auch?

Kübler: Auf jeden Fall gibt es das. Vor allem, wenn man innerhalb seiner Stärken arbeitet. Es ist aber auch hilfreich, zwischendrin mal eine Überforderung zu erleben, um die Zone des Könnens auszuweiten. Dauerhafte Überforderung erzeugt allerdings Stress.

ZEIT: Auf der ersten Bahn lief es heute so schlecht bei Ihnen – da hätten andere schon geflucht. Sie taten das nicht. Dann folgte ein Hoch. Wie haben Sie das alles verarbeitet?

Kübler: Es ist manchmal die selbst erfüllende Prophezeiung. Beim Üben funktioniert alles, und in dem Moment, wo man am ersten Loch aufschlägt, funktioniert es nicht mehr. Nun kann ich zwei Sachen machen: Ich kann mich jetzt ohne Ende ärgern und damit das ganze Spiel versauen oder den Druck rausnehmen. Ich habe mir gesagt, ich streiche das erste Loch und fange beim zweiten wieder neu an. Und ich glaube, wir alle sollten manchmal einfach etwas abhaken. Hinfallen ist nicht schlimm – nur liegen bleiben ist schlimm.

ZEIT: Interessant war es auch, als Sie zum ersten Mal mit dem Ball im Wasser gelandet sind. Die normale Reaktion von Golfern ist doch ein etwas verzerrtes Gesicht. Sie haben ein fröhliches "... und Plopp!" von sich gegeben. Auch da haben Sie genug Distanz?

Kübler: Ich wusste ja, dass es schwierig wird. Und wenn ich dann den Ball schon ins Wasser schlage, dann mit voller Freude. Wenigstens hat es schön gespritzt. Wichtig ist, dass man die nächsten Bälle nicht auch gleich ins Wasser schlägt.

ZEIT: Was uns ja durchaus mal passiert ist. Diese Anziehungskraft des Wassers für Golfbälle, weithin bekannt unter Golfern, hat sie eine Entsprechung in der Wirtschaftsrealität?

Kübler: Das ist so, als wenn ich mir bei Entscheidungen schon das Schlimmste vorher ausmale, dann werde ich auch mit ziemlicher Sicherheit darauf zusteuern. Wir sehen bei neuen Dingen ohnehin immer schon die Gefahr, statt die Chancen zu sehen. Und es gibt auch auf dem Golfplatz genügend Chancen, wo Gras ist, da kann man hineinspielen, das ist wie beim Autofahren. Wenn man an einem Lastwagen vorbeifährt und dabei auf den Lkw guckt, dann ist die Chance groß, dass man zu dicht heranfährt. Fokussieren wir uns also nicht auf das Unglück.