Osterpredigten sorgen selten für Aufregung. Schon gar nicht selbst ein bis zwei Wochen danach noch. Ein bisschen Auferstehungsromantik, ein bisschen Nächstenliebe – damit sind die fleißigen Kirchgänger erlöst, und am Ostermontag ist die Botschaft auch meist schon wieder vergessen.

Heinz Josef Algermissen, Bischof von Fulda, hat jedoch mit seiner Osterpredigt einige Gemüter so sehr erhitzt, dass diese – nachdem die Osterfeuer längst erloschen sind – noch immer vor Wut glühen. "Der Mensch ohne Auferstehungsglauben wird zu einem großen Sicherheitsrisiko", sagte er. Die Hektik und Daseinsangst ließen den Menschen zuschlagen und zerstören. Er gehe buchstäblich über Leichen, bevor er selbst zur Leiche werde. Das zeige sich auch in den Terroranschlägen von Brüssel. "Wo landen wir, wenn wir nur noch formal unseren Glauben bekennen, ihn aber nicht mehr praktizieren?", fragte er.

Der Rekurs auf die jüngsten Terroranschläge ist in der schriftlichen Fassung der Predigt nicht enthalten. Darin fehlen auch die Verweise auf die "Flüchtlingsströme" und die Religion, "die da zu uns strömt". Worte, die aber in einer Videoaufnahme der Messe zu hören sind. Der Bischof habe, als er predigte, das Manuskript frei ergänzt, erklärt die Pressestelle des Bistums. Seine Worte seien an Christen gerichtet gewesen. Warum spricht er dann von "Menschen ohne Ostern"? Sein Sprecher entgegnet, es liege dem Bischof fern, Atheisten zu diskriminieren.

Die aber meldeten sich erbost zu Wort: Der Präsident des Humanistischen Verbandes, Frieder Otto Wolf, nannte Algermissens Osteransprache "eine katholische Hasspredigt". Sie entbehre nicht nur jeglicher empirischen Grundlage, sie diffamiere auch den großen Teil der Bevölkerung ohne christliches Bekenntnis. Der Humanistische Pressedienst spricht gar von Hetze. Dabei seien die Terroristen von Brüssel doch "das ganze Gegenteil von ungläubig". Ist also gar der Ostergläubige ein Sicherheitsrisiko?

Wenigstens in einer Sache sind sich die Atheisten und der Bischof einig: Terroristen sind nur die anderen. Dabei deutet vieles darauf hin, dass beide Seiten recht haben: Gewalt und Unheil wird und wurde im Namen aller Götter verübt, Terror und Tod kommen und kamen aber auch ohne Bekenntnis über die Menschheit. Man muss nicht tief in der Vergangenheit graben, um beides zu belegen.

"Homo homini lupus" – "Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf", schrieb der Staatstheoretiker Thomas Hobbes schon im 16. Jahrhundert in seinem Werk De Cive – "Vom Bürger". Für Bischof Algermissen ist der Ungläubige ein Wolf, für die Atheisten ist der Religiöse die finstere Bedrohung, die es zu bändigen gilt. Der Bischof will den Glauben an die Auferstehung stark machen, indem er die Ungläubigen herabsetzt; die Atheisten wettern gegen die Religionen als Urgrund allen Übels. Die Mitte verfehlen beide.