Bosch für Kinder. Geht das? Gewiss, die actionbunte Welt des niederländischen Meisters scheint für die Kinderköpfe der Digitalmoderne wie gemacht. Und doch bietet Bosch ja unendlich viel mehr als "Fantasy", und der Versuch, dieses verrätselte, labyrinthische Werk aus dem spätesten Mittelalter just in ein Bilderbuch zu übersetzen, bleibt verwegen.

Thé Tjong-Khing, 1933 auf der Insel Java geboren und schon lange in den Niederlanden lebend, hat es gewagt. Der Künstler breitet Boschs Bilderwelt um eine schlichte Hänsel-und-Gretel-Geschichte herum aus, um einen Jungen, der sich in ein unbekanntes Land verirrt und in die Fänge einer Hexe gerät. Die großräumigen Szenen verzichten auf jeden Text. Wie Stummfilmzuschauer folgen wir dem Helden durch bizarre Bosch-Landschaften, begegnen all den famosen Bosch-Monsterlein, Narrenschiffen, Zauberbäumen und Heuwagen, und ein kleines Höllenfeuer gibt es auch. Tjong-Khing mildert Boschs Schreckenslust, seinen magischen Terrorismus, ins Zarte und Kinderkompatible – und bewahrt dennoch eine Ahnung seines Genies.

Ein Buch für kleine Kunstentdecker und Träumer, zum Bilder- und Spurenlesen. Und natürlich ein Buch, das – anders als Boschs Fantasien – so gut ausgeht wie jedes Märchen.

Thé Tjong-Khing: Hieronymus – Ein Abenteuer in der Welt des Hieronymus Bosch. Ab 5 Jahren; Moritz Verlag 2016; 48 S., 14,95 €