Fußball ist ein Geschäft. Um Geschäfte zu machen, braucht man Geld. Das ist derzeit das Problem des Hamburger Sportvereins.

Sportlich hat der HSV ein Wochenende hinter sich gebracht, das durchaus als gelungen zu bezeichnen ist. Er hat Hannover besiegt, dabei drei Tore erzielt und keinen Gegentreffer bekommen. Er liegt in der Tabelle der Fußballbundesliga sieben Punkte vor dem Relegationsplatz und könnte sich eigentlich darüber freuen, dass endlich mal alles nicht so furchtbar läuft wie in den vergangenen Jahren – wäre da nicht das Geld.

Zwei Meldungen aus der Woche zeigen, wie groß die Nöte des HSV sind: Erst tritt der Verein mit einigen anderen sogenannten Traditionsclubs an die Öffentlichkeit, um gemeinsam für eine Umverteilung der Fernsehgelder einzutreten – nicht mehr allein der Tabellenrang soll über die Höhe der Geldflüsse an die Vereine entscheiden, sondern auch der Marktwert eines Teams, der Tradition und Popularität mit bemessen soll. Dann meldet die Bild- Zeitung, dass der HSV darüber nachdenkt, sich bei reichen Fans 40 Millionen Euro zu leihen.

Wenn es auf konventionellem Wege nicht mehr viel zu holen gibt, wird der HSV erfinderisch. Bei knapp 90 Millionen Euro Verbindlichkeiten ist das kein Wunder. Aber was sagen diese Vorstöße über die Zukunft des Vereins aus?

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 16 vom 7. April 2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Beginnen wir beim Anbetteln der Fans. Darin hat der HSV Erfahrung. Für ein Jugendleistungszentrum, das gerade direkt neben dem Stadion entsteht, sammelte der Club schon einmal Geld ein, vor knapp vier Jahren. Es kamen 17,5 Millionen Euro zusammen. Eine hübsche Summe, die dann allerdings doch nicht für die Nachwuchsarbeit verwendet wurde (darum kümmerte sich Mäzen Alexander Otto), sondern im laufenden Betrieb benötigt wurde. Die Anleihe muss in drei Jahren getilgt werden, was wiederum heißt, dass Geld, das schon ausgegeben ist, zurückgezahlt werden muss. Eine schwierige Angelegenheit. Also noch mal den Trick versuchen, der schon einmal geklappt hat, nur mit einer größeren Summe? Es sieht ganz danach aus.

Für die Fans, die in Wahrheit wohl weniger Fans als HSV-freundliche Investoren sind, wäre das ein hübsches Geschäft: 4,5 bis 5,5 Prozent Zinsen soll der Verein ihnen versprechen. Das gibt es zurzeit nicht oft auf dem Markt. Nur bei eher riskanten Anlagen.

Wenn es stimmt, was die Bild- Zeitung berichtet, wirkt der HSV gerade ein wenig wie ein Mensch, der ein Haus gekauft hat, es nicht richtig finanzieren kann und dann – statt sich zu besinnen – in ein noch größeres Haus investiert, um Zeit rauszuholen für eine irgendwie geartete Wende zum Guten.

Wie die aussehen soll?

Das kann man sich besser vorstellen, wenn man sich mit dem "Team Marktwert" beschäftigt. Dazu gehören neben dem HSV die Bundesligavereine Werder Bremen, Hertha BSC, 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt und VfB Stuttgart. Es ist die Mittelklasse der ersten Liga. Es sind Vereine, die allesamt mal gute bis sehr gute Zeiten hatten, mittlerweile aber eher in Tabellenregionen zu Hause sind, die Fans nicht zur Begeisterung anregen. Diese Vereine wollen die Verteilung der TV-Gelder verändern und damit an Millionen kommen, die momentan andere, man muss es so deutlich sagen: sportlich bessere Clubs erhalten.

Derzeit ist es so: Die Einnahmen von zusammen 850 Millionen Euro für die erste und zweite Liga werden streng nach Erfolg verteilt. Die jeweils letzten fünf Spielzeiten werden berechnet, die letzte Spielzeit ist am stärksten gewichtet, die vor fünf Jahren am schwächsten. Weil der HSV in den vergangenen Jahren katastrophal bis sehr katastrophal unterwegs war, liegt er in dieser Tabelle auf Rang 14 und erhält 25 Millionen Euro. Bayern München liegt auf Platz 1 mit 40 Millionen Euro, wobei die Auslandsvermarktung noch nicht einmal eingerechnet ist.

Warum der HSV nun unbedingt für ein geändertes Verfahren eintritt, lässt sich am besten mit einer Tabelle zeigen, die der Mediendienst Meedia errechnet hat. Nimmt man den Faktor "Erfolg in den letzten fünf Jahren" und ergänzt ihn um die Faktoren "Erfolg im Fernsehen", "Erfolg bei Fans in Deutschland", "Erfolg bei den weltweiten Fans", steht der HSV plötzlich auf Platz 5.

Verständlich, dass die Idee verlockend klingt für einen finanziell angeschlagenen Verein. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass er dafür das wichtigste Prinzip seines Sports austricksen würde: Leistung.