Eigentlich spielen sich solche Geschichten eher in Berlin ab oder in München, dort, wo man einen Boulevard hat, das heißt, eine Bühne, auf der sich Prominente in Szene setzen, um anschließend anhand gewisser Erzählmuster fürs breitere Publikum verwertet zu werden. Aber jetzt gibt es hier in Hamburg eine richtige Causa, glaubt man der Mopo: "Nathalie füßelt fremd."

Nathalie, das ist Nathalie Volk, 19 Jahre alt. Sie debütierte bei Heidi Klums Topmodel-Show, kam dann ins Dschungelcamp und trat beim Promi-Dinner auf, wo sich besagte Szene abspielte: Sie "krabbelt mit ihren Zehen an Davids Beinen nach oben" (Mopo). David, das ist David Ortega, ein Soap-Darsteller, der ebenfalls im Urwaldlager zu sehen war. Ortega ließ sich den Annäherungsversuch anstandslos gefallen. Auf die Szene angesprochen, sagte Volk: "Ich habe öfter kalte Füße, und Spanier haben heißes Blut."

Abgesehen davon, dass die Erklärung dem empirischen Empfinden nach schlüssig ist (nachprüfbar an jedem zweiten Frauenfuß; der Blutkreislauf des Spaniers steht auf einem andern Blatt): Warum wurde so viel Aufhebens gemacht? Weil Volk die Freundin von Frank Otto ist, Medienunternehmer, Halbbruder von Michael Otto und zweitältester Sohn von Werner Otto, dem Gründer des namentlichen Versandhandels.

Frank Otto ist unter anderem Gründer des Fernsehsenders Hamburg 1, er hält zurzeit ein Drittel der Anteile. Da Volk dort seit Mitte März eine Dokusoap über ihr Leben bestreitet (Nathalies Welt), hat man nun ein sogenanntes Narrativ, eine Story mit bestimmten Motiven, die in diesem Fall gut ins Märchen passen, aber nur bedingt zur Realität.

Frank Otto ist in dieser Geschichte der hanseatische Edelmann, Nathalie Volk das hintertriebene Girl, das sich den Zugang zu einem der vornehmsten Clans der Stadt ergaunert. Entsprechend wird sie klassifiziert: "Zicke" (Gala, Welt am Sonntag), "Man Eater" (Ok!), "Dschungelcamp-Schneewittchen" (Mopo), wobei das Schneewittchen-Bild nicht wirklich passt, weil diese Märchenheldin ja ihrerseits Opfer einer Intrige ist und am Ende beglückt wird von einem Prinzen.

Übersehen hat man bei der unterstellten Ausbeutungsagenda den postfeministisch einwandfreien Satz von Volk: "Frank hat Angst, mich zu verlieren. Ich sage ihm oft direkt ins Gesicht, dass es noch andere Männer gibt. Welche, die mehr Geld haben als er." Souveräner kann eine Frau, die mit ihrer Mutter in einer Drei-Zimmer-Wohnung in Soltau lebt, mit den tatsächlichen und imaginierten Diskrepanzen in diesem Verhältnis nicht umgehen. Die amerikanische Komikern Amy Schumer hat unlängst diesen Gag gebracht: "Ich finde, dass Männer unbedingt zahlen sollten beim ersten Date." Kunstpause. "Für Sex." Genauso lässt sich ein Sexismus entlarven, der mit pseudoemanzipierten Gesten von seiner Häme ablenkt.

Die Volk-Otto-Story handelt jedoch weniger von pathologischem Begehren, im Kern geht es um medial gelenkten Klassendünkel. Dazu passt bestens, dass Volks Mutter, eine Lehrerin, den Job verlor, weil sie zu Dreharbeiten der Tochter nach Australien reiste, obwohl sie krankgeschrieben war. Das Schmarotzer-Motiv ließ sich rückverlängern in die Elterngeneration; im Märchenkontext wäre das eher Aschenputtel als Schneewittchen, mit der hinterhältigen Mutter, die ihren Nachwuchs auf merkantile Interessen drillt.

Und Otto? Ihn als liebesbetäubten Oldtimer vor sich selbst in Schutz zu nehmen geht nicht mal als lokalpatriotischer Eifer durch. Es ist nur peinlich. Das letzte Wort in dieser Sache sei deshalb ihm gegönnt. Auf Facebook schrieb er: "Alle Fragen, und zwar wirklich alle, die die Medien aufgeworfen haben, hab ich mir längst selbst gestellt."