"Was ich mit Ihnen besprechen will, ist eine Krise, die Sie massiv treffen wird", sagt Prof. Dr. Volker Meier. "Die Krise der Sozialversicherungen." Schluck. Wir sitzen in der Vorlesung "Anwendungsgebiete der VWL" an der LMU München. Wechselnde Dozenten, wechselnde Themen. Heute geht es um unsere Rente.

Professor Meier wirft eine Statistik an die Wand: Die Entwicklung der Geburtenrate in den Ländern der EU. Wir sehen: Die Menschen bekommen heute weniger Kinder als noch vor 50 Jahren. Woran liegt das? Anscheinend auch an der Höhe der Rente. Wir lernen: Je niedriger die Rente ist, die eine Frau erwartet, desto mehr Kinder bekommt sie im Schnitt. Müssen wir also die Renten kürzen, damit mehr potenzielle Beitragszahler geboren werden? "Bestimmt", denke ich.

Bezüglich meines VWL-Studiums habe ich eine Theorie entwickelt. Ich nenne sie die Hans-Werner-Sinn-Theorie. Sie besagt: Im Zweifel liegt man in der angewandten VWL mit dem Lösungsvorschlag "sozialstaatliche Maßnahmen kürzen" so gut wie immer richtig. In bisherigen Vorlesungen haben sich auch Subventionen für arme Bauern als schlecht für den Weltmarkt herausgestellt. Was können wir also tun, um das Rentensystem zu retten?

"Wir könnten den Satz unserer Eltern kürzen", schlägt ein Kommilitone vor. "Dann leiden ja Ihre Eltern", sagt Meier überrascht. "Irgendwer muss leiden", sagt der Student. Mit meiner Hans-Werner-Sinn-Theorie werde ich es im Studium weit bringen.