Mittags ist seit Neuestem geschlossen im Al Porto. Der Patron muss Kräfte sammeln. Viele Jahre lang betrieb er ein beliebtes, aber mäßig bekanntes italienisches Restaurant in Stade, nun blicken die Augen der Fernsehwelt auf ihn. Sandro Zonca ist einer der 13 Finalisten in Christian Rachs neuer Küchenshow.

Diesmal sucht der Spitzenkoch a. D. keine heruntergewirtschafteten Spelunken, die sich von ihm retten lassen, sondern "Deutschlands Lieblingsrestaurant", also besonders sympathische Lokale. Aus Hamburg ist keines dabei. Zonca allein hält neben einem Kieler Kollegen die Ehre des Nordens hoch.

Man muss das nicht wissen, um neugierig zu werden. Auch die hübsche Lage auf dem Burggraben ermuntert zu einem Besuch. Der Gast passiert eine Sammlung roter Mini-Ferrari, dann eine kundig befüllte Schnapsbar, schließlich einen großen, noch verpackten Blumenstrauß.

Der krause Stilmix aus Eiche rustikal und Achtziger-Jahre-Design wirkt heimelig, vor allem in Verbindung mit den munteren Stimmen der Gäste, die sich hier sichtlich zu Hause fühlen. Wie schön, denkt man: ein Non-Promi-Italiener. Man darf nur die Ohren nicht zu weit aufsperren, sonst klingt es wie in Eppendorf: "Voll krass! Mir geht’s echt besser, seit ich keine Laktose mehr esse."

Zonca ist Sarde; darum kommt zur Begrüßung ein knuspriges Hirtenbrot. War das im Fernsehen nicht mit Trüffeln belegt? Egal, mit Rosmarin und Pecorino schmeckt es auch. Der Stil ist deftig, das merkt man bei der Wachtel, die nicht nur im Speckmantel steckt, sondern auch auf Gemüse liegt, das dank vieler Scheiben Salsiccia nicht minder schweinisch ausfällt. Filigraner ist das Kalbsragù auf Triangoloni, hausgemachten Nudeln mit einer Füllung aus Ricotta und Bärlauch.

In beiden Speisen stecken viel Arbeit, gute Ware und eine Menge Charakter.

Bei RTL klingt das euphorischer: "Egal, was der Sarde auftischt, Christian Rach ist dem kulinarischen Himmel nah: 'Endlich mal ein Italiener, der kein 08/15 macht.'" Kann es sein, dass Rach nach der Hauptspeise ging? Denn was danach kommt, ist exakt 08/15. Der Käseteller gähnt einem ins Gesicht. Die Mousse au Chocolat, ansonsten ohne alles, ist steif wie Styropor. Am Talent zu mehr fehlt es sicher nicht, aber vielleicht am Personal.

"Mein Mann war ja total dagegen", sagt die Chefin Patricia Zonca über die Teilnahme an der Show. "Gäste hatten uns vorgeschlagen; ich habe dann zugesagt." Sie weiß schon, wer am Ende gewinnt, darf aber nichts verraten. So oder so wird ein Ansturm über sie und ihren 62-jährigen Mann hereinbrechen, mit überzogenen Erwartungen vielleicht. Jedermanns Liebling zu werden ist schwer. Noch schwerer ist, es zu bleiben.

Al Porto, Neubourgstr. 11, Stade. Tel. 04141/77 89 92, www.al-porto-stade.de. Geöffnet montags bis samstags von 18 bis 23 Uhr. Hauptgerichte um 25 €