Es gibt wenig, was so weich und behaglich ist wie eine Bettdecke. Daunengefüllt ist sie der Inbegriff von Behaglichkeit, wie Watte oder warmes Wasser. Nicht so behaglich klingt, was einer der erfolgreichsten Unternehmer Dänemarks, ein Mann, der "Bettdecke" sogar im Spitznamen trägt, über seine Mitbewerber erzählt. "Konkurrenten", sagt Larsen, und sein scharfes Adlergesicht lächelt nicht, als er den Satz vollendet, "sehe ich als Feinde."

Von diesen Feinden fühlt sich Bettdecken-Lars, wie Larsen daheim gern genannt wird, zwar nicht bedroht, aber doch herausgefordert. Tag für Tag, seit 1979. Damals, an einem trüben Aprilmorgen, eröffnete der gelernte Möbelverkäufer am Rande von Dänemarks zweitgrößter Stadt Århus die erste Filiale einer Einrichtungskette, die bis heute wächst und wächst und wächst – auf derzeit 2.300 Filialen mit 20.000 Mitarbeitern in 41 Ländern: das Dänische Bettenlager, das in Dänemark Jysk heißt. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von knapp drei Milliarden Euro. Es gehört Larsen ganz allein. Das Vermögen des 67-Jährigen schätzt Forbes auf 3,8 Milliarden Dollar.

Kaum zu glauben, dass sein Siegeszug einst in einem der schlechteren Viertel von Århus begann, im Silkeborgvej. Hundert Meter lang war die Menschenschlange vor dem schäbigen Flachbau, in dem Larsen anbot, womit er später reich werden sollte: Möbel und Bettwäsche. Die Hard- und Software der Nachtruhe, vereint in einem Geschäft. Damals, erinnert sich Larsen, "waren das strikt getrennte Bereiche". Die er allein zusammengeführt habe, als Erster, versteht sich. Larsen sitzt im mondänen Neubau seines wachsenden Hauptquartiers in Århus. Wenn man hört, mit welcher Hingabe und Verve der selbst erklärte Pionier bis heute von seinem Siegeszug in der Branche der Kiefernholzbetten und Daunendecken schwärmt, auch 16 Jahre nach seinem Rückzug vom Bettenlager in die Holding – dann ist zu spüren, dass Larsens unbeugsame Kampfeslust im Freund-Feind-Schema mehr Charaktereigenschaft als Geschäftstaktik ist.

Als jüngstes von vier Kindern eines gottesfürchtigen Kartoffelzüchters hat Lars Larsen schon in Jütland gelernt, sich durchzuboxen. Der Vater starb vor seiner Geburt, zu früh, sagt er, um Gefühle für ihn zu entwickeln. Mutter Signe zog ihre Kinder fortan tapfer, aber in Armut groß. Sie probierte es hier als Bäuerin, dort als Hotelierin, mit Süßwarenhandlung oder Apfelplantage, meist mäßig ertragreich, oft der Erschöpfung nah, die sie mehrfach zu Suizidversuchen trieb. "Das hat mich stärker gemacht", sagt Larsen im schneidigen Tonfall des Firmenpatriarchen, "härter vor allem." Er steckt sich eine dieser dänischen Lungenfraßzigaretten mit den Schadstoffwerten asiatischer Megastädte an. "Seither wollte ich immer allen zeigen, dass ich besser bin." Stoßrichtung: "Die Seite der Sieger."

Seine Lebensgeschichte hat er ungefragt und kostenlos an alle dänischen Haushalte verteilt

Mit 18 begann er nach Jobs als Maler, Schlachter, Erntehelfer und Flaschensammler eine Lehre im Damenkaufhaus von Thisted am Nordzipfel des Landes. Es war sein erster Kontakt mit der Produktpalette des späteren Milliardenkonzerns, mehr aber noch mit der Wucht seines eigenen Eifers. Kaum hatte er nämlich die dritte Filiale seiner verzagten Ausbilder dank riskanter Preiskampagnen rentabel gemacht, kündigte Larsen mangels Expansionsperspektive die krisenfeste Stellung und wagte sich in die Selbstständigkeit. Man kann Larsen eine "Persönlichkeit mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein" nennen, so wie Ole N. Nielsen, der die deutsche Tochter des Dänischen Bettenlagers von 1984 an von Flensburg aus aufgebaut hat. Man kann aber auch ein Buch zur Hand nehmen, das mehr über Lars Larsen sagt als jeder Quartalsbericht. Titel: Guten Tag, ich heiße Lars Larsen – Ich habe ein gutes Angebot. Der Titel stammt aus einem Werbeslogan, den Larsen einst übers Fernsehen in die dänischen Wohnzimmer sprach. Der Slogan klingt sperrig, zeigt aber, wie dessen Gründer funktioniert.

Lars Larsen hat seine Autobiografie ungefragt und kostenlos an jeden Haushalt seines Heimatlandes verteilt. "Die Bibel haben wahrscheinlich mehr Dänen gelesen", glaubt der Autor. "Aber zwei Millionen Leser heben mich definitiv auf Platz zwei." Er sagt das mit einem meckernden Lachen, demselben Lachen, das er hat, wenn er über deutsche Steuerschlupflöcher spricht.

Ein Mann, der seine Autobiografie zur Pflichtlektüre erklärt – das klingt nach einem übersteigerten Ego. Allerdings scheinen viele Dänen die Biografie tatsächlich zu kennen. Fragt man den Taxifahrer, der zur Zentrale des Dänischen Bettenlagers fährt, beteuert er nicht nur – "komische Frage" –, Larsens Buch gelesen zu haben, sondern den Autor zu bewundern: für seine Kraft, seinen Mut, für die Arbeitsplätze, die er geschaffen hat, und für die Steuern, die er zahlt. Für Wohltaten und "alles, was er aus unserem winzigen Land rausholt". Ja selbst für den Luxusfuhrpark, dem ein Ferrari angehöre. Etwa in Rot? Der Taxifahrer lächelt, stellvertretend für ein patriotisches Völkchen ohne große Neidgefühle: "Natürlich!" Dass Larsen selbst sagt, ihm sei weder an Publicity noch Geld oder gar Bewunderung gelegen? Egal.