Die katholische Kirche erlebt gerade eine kleine sexuelle Revolution: Katholiken sollen in Liebesfragen künftig nicht bloß die Kirche konsultieren, sondern auch ihr Gewissen. So hat es Papst Franziskus festgehalten, in seinem Lehrschreiben Amoris Laetitia, "Die Freude der Liebe". Zuvor hatte er die Gläubigen erstmals zu ihrer Sexualität befragt – per Fragebogen. Wird die Kirche jetzt weniger prüde? Wir haben Gloria von Thurn und Taxis unseren Fragebogen dazu ausfüllen lassen. Die Fürstin aus Regensburg ist eine der profiliertesten konservativen Katholikinnen des Landes. Amoris Laetitia, findet sie, zeigt, wie "in touch" der Papst ist.

1. Was sind Ihre drei Lieblingssätze aus dem Papstschreiben "Amoris Laetitia"?

– "Jede schwangere Frau möchte ich herzlich bitten: Bewahre deine Freude, nichts soll dir die innere Wonne der Mutterschaft nehmen."

– "Die Würde eines Kindes zu achten bedeutet, sein Bedürfnis und natürliches Recht auf eine Mutter und einen Vater zu bekräftigen."

– "Tatsächlich sind die Mütter das stärkste Gegenmittel gegen die Verbreitung des egoistischen Individualismus, Sie sind es, die die Schönheit des Lebens bezeugen."

2. Der Papst setzt jetzt hohe Erwartungen in das Gewissen des einzelnen Gläubigen. Fühlt Ihr Gewissen sich überfordert?

Natürlich ist zuerst eine Gewissensbildung notwendig. Hier ruft uns der Papst ja geradezu auf, wenn er die Eltern in die Pflicht nimmt, den Kindern den Katechismus beizubringen, mit ihnen zu beten und sie auf die Sakramente vorzubereiten. Erst so bildet sich das Gewissen, und man lernt zu unterscheiden zwischen Gut und Böse. Weil meine Eltern mein Gewissen schon früh gebildet haben, fühle ich mich auch nicht überfordert.

3. Ist "Amoris Laetitia" Ratgeber-Literatur?

Wohl eher nicht, da der Papst ja ausdrücklich keine Einzelfallentscheidungen auflisten möchte, sondern die große Linie von Liebe und Barmherzigkeit aufzeigt, und zwar in einer schönen Sprache, die manchmal geradezu poetisch ist.

4. Hatte je ein päpstliches Schreiben Einfluss auf Ihr Leben?

Natürlich, in meiner Familie wurden die für den Alltag des Laien relevanten Schriften sorgfältig besprochen. Auch das gehört meines Erachtens ganz entscheidend in die Erziehung von Kindern und Jugendlichen.

5. Ein Kapitel von "Amoris Laetitia" heißt: "Du und deine Frau". Fühlen Sie sich da als Frau ernst genommen?

Natürlich fühle ich mich ernst genommen, ganz besonders in seiner Würdigung der Mutterschaft. Dass Frauen als Mütter geehrt werden, das ist der Feminismus, den schon Johannes Paul II. propagiert hat.

6. Wie finden Sie es, wenn bei Ihnen in der Kirche die wiederverheirateten Geschiedenen weiter nicht zur Kommunion dürfen, anderswo aber schon?

Ich habe das so verstanden, dass die individuelle Situation mit dem Seelsorger besprochen werden muss. Wer eine gültige Beichte ablegt, darf normalerweise zur Kommunion. In der Beichte wird eigentlich alles geklärt. Wer ohne zu beichten zur Kommunion geht, der glaubt gar nicht wirklich an die Realpräsenz Christi, das glaube ich jedenfalls. Denn bevor man jemanden in sich aufnimmt, macht man sich doch zuerst sauber, oder nicht?