Was hat sich David Grossman nur dabei gedacht, seinen neuen Roman Kommt ein Pferd in die Bar zu nennen? Das klingt doch erklärtermaßen nach einem schlechten Witz! Um schlechte Witze geht es tatsächlich in diesem Roman des großen israelischen Erzählers – und um das Lachen, das einem im Halse stecken bleibt. Der ganze Roman dauert so lange wie der Auftritt des Comedians Dovele Grinstein in Netanja. Er steht auf der Bühne, ein alter, misanthropischer Typ, und reißt Witze. Er spielt mit dem Publikum. Mal schockt er es mit bitteren Wahrheiten, mal bringt er es zu befreitem Auflachen. Wie die besten amerikanischen Comedians, die immer autobiografisch sind, erzählt der Zyniker Dovele von seinem Leben – von seiner Herkunft, seiner Kindheit und von der Geschichte des Staates Israel, in dem dieses Leben spielt. Großmäuligkeit und Verletzlichkeit, Posertum und Verzweiflung gehen ineinander über. Zunächst ist man noch misstrauisch gegen dieses Muster: Der Spaßmacher aus Melancholie, außen weich, innen hart. Aber dann entwickelt Doveles Geschichte eine solche Wucht, eine solche existenzielle Unabweisbarkeit, dass der Leser, ganz wie Doveles Publikum, gebannt an seinen Lippen hängt. Ein großer Erzähler hat uns mit einem schlechten Witz reingelegt, um uns nur umso tiefer in den Lebensernst hineinzuziehen.

David Grossman: Kommt ein Pferd in die Bar. Roman; a. d. Hebräischen v. Anne Birkenhauer; Hanser, München 2016; 256 S., 19,90 €, als E-Book 15,99 €