Liebe C.,

als wir uns zum ersten Mal getroffen haben, hatte ich ein Buch von Amos Oz in deutscher Übersetzung in den Händen, damit Du mich erkennst.

Ich war gerade – nach drei Jahren in Berlin – zurück nach Tel Aviv gezogen und suchte nach einem Tandempartner, um mein Deutsch nicht zu vergessen. Tatsächlich suchte ich nach einer Tandempartnerin – das habe ich allerdings auf dem kleinen Zettel, den ich im Goethe-Institut Tel Aviv aufgehängt habe, nicht erwähnt.

Du schriebst mir über Facebook, dass Du es gerne versuchen möchtest. Ich antwortete, dass ich inzwischen zwei Tandempartner gefunden hätte – dreist war ich von Anfang an –, aber dass wir es vielleicht trotzdem probieren könnten. Am Ende der Nachricht schrieb ich: Alles Liebe, Dein Ron.

Du meintest später, das sei so ganz am Anfang viel zu persönlich gewesen. Das habe ich ehrlich gesagt unbewusst geschrieben; mir war nicht klar gewesen, dass "Alles Liebe" für Dich wie all my love geklungen haben muss; für mich klang es einfach schön.

Die ersten Worte, die wir miteinander ausgetauscht haben, waren vermutlich welche über das Buch – ich erinnere mich nicht genau, weil ich zu fasziniert davon war, wie die transparenten Linsen in Deinen Augen über das Blau glitten. Wie leichte Wellen, die auf einem Teich tanzen. Bis heute ist Dir dieser magische Effekt wohl nicht bewusst.

Wir haben damals beschlossen, uns wiederzusehen.

Bei unserem zweiten Treffen hast Du mich, nachdem wir unser erstes betretenes Schweigen überwunden hatten, gefragt: Was willst Du in der Zukunft machen? Mir fehlten die richtigen Worte auf Deutsch, und so habe ich Dich zum ersten Mal geküsst.

So hattest Du Dir die Antwort, wie ich später erfuhr, eigentlich nicht vorgestellt ...

Seitdem aber sind wir zusammen; im Zickzack hin und her zwischen Israel und Deutschland, Hebräisch und Deutsch.

Was ich während dieser drei Jahre von und mit Dir gelernt habe, das ist viel mehr als eine Sprache, in der man ein Buch schreiben kann. Mir scheint es, dass jede Frau eine Art Wahrheit in ihrem Mann erweckt, die ihm nur durch sie bewusst werden kann, als wäre sie eine Art Schlüssel. Die Wahrheit ist nicht immer schön oder angenehm, allerdings ist sie absolut. Genauso wie die Liebe.

Dein Ron

Ron Segal, 35, ist Schriftsteller und Filmemacher. Zuletzt erschien sein Roman "Jeder Tag wie heute"