Die Liebe zum Fahrrad ist eine vergebliche. Man kann in ein Rad investieren, so viel man möchte. Man kann Kette, Reifen, Ritzel pflegen, einen Sattel dem unaufhaltsamen Wandel der eigenen Anatomie anpassen.

Man kann dem Ganzen nach Jahren der mehr oder minder gelungenen Zweisamkeit einen neuen Anstrich geben – am Ende bleibt das Rad ein Lebensabschnittsgefährt.

Die unvermeidliche Trennung kommt stets plötzlich, zurück bleiben nur die Bruchstücke eines zerstörten Schlosses.

Da liegen sie als traurige Memorabilia, wo es eben noch existierte, das Rad – ein Motiv, in seiner demonstrativen Gleichgültigkeit so verletzend wie ein zum Abschied vor die Füße hingeschleuderter Ehering.

Nur wer nichts weiß von der Liebe zwischen Fahrrad und Mensch, wird sich gewundert haben über die Nachricht, am Boden der Alster hätten Taucher 13 Fahrräder entdeckt. Natürlich ist dies erstaunlich angesichts der Wahllosigkeit der Diebe. Wozu ein ungeliebtes Rad über ein Geländer wuchten, wenn man es einfach dort abstellen könnte, auf Nimmerwiedersehen?

Auf den zweiten Blick ist die Antwort – nein, nicht trivial, sondern traurig. Euch Ahnungslosen also, die ihr nichts wisst von der Liebe zwischen Mensch und Bike, sei es hier erklärt:

Diese Räder, die nun aus ihrem nassen Grab geborgen wurden, sind am Ende nicht mehr geliebt, aber auch nicht vergessen worden. Und sie waren ihren Besitzern ganz sicher nicht gleichgültig. Sie wurden gehasst.