DIE ZEIT: Herr Schütz, das Diplom ist Vergangenheit. Nur einige unbeugsame Studiengänge sind übrig. Sie sind Organisationssoziologe an der Universität Oldenburg und haben für eine Studie die Verantwortlichen an den Universitäten gefragt, warum sie sich wehren. Sind das alles Querulanten?

Marcel Schütz: Von wegen. Die haben sich entschieden, das Diplom zu behalten, um ein Alleinstellungsmerkmal zu haben. In den Massenfächern gibt je nach Zählung gerade noch so 60 Diplom-Studiengänge.

ZEIT: In welchen Fächern?

Schütz: Vor allem bei den Ingenieuren. In den Geistes- und Sozialwissenschaften gibt es praktisch kein Diplom mehr.

ZEIT: Wie erklären Sie das?

Schütz: Die Beharrer sagen: Wieso sollen wir etwas ändern, die regionalen Arbeitgeber sind mit den Diplomern sehr zufrieden. Das gilt besonders, je kleiner die Hochschule ist.

ZEIT: Dürfen die das eigentlich, einfach nicht mitmachen bei Bologna?

Schütz: Wenn man das Ministerium explizit fragen würde, wahrscheinlich nicht. Aber es gibt juristische Spielräume. Alle untersuchten Studiengänge haben sich ein wenig verändert. Manche sind aber auch nur an der Umstellung vorbeigeschrammt, weil ein neuer Minister sich anderen Baustellen widmete.

ZEIT: Welche Rolle spielen die Rektoren?

Schütz: Die halten auch daran fest.

ZEIT: Wann stirbt das Diplom vollends aus?

Schütz: Mal sehen. Man passt sich nicht strukturiert an, aber ändert hier was, da was, und am Ende macht man fast das, was alle anderen machen. Oder der Druck der Politik wird zu stark. Interessanterweise haben die befragten Studiengänge längst Alternativmodelle in der Schublade liegen.