Vier komplizierte Texte, denen Studenten in den ersten Semestern begegnen. Und vier Verbesserungsvorschläge

Harald Burger, Martin Luginbühl: Mediensprache. Eine Einführung in Sprache und Kommunikations- formen der Massenmedien

Wer Kommunikationsformen und -prozesse beschreibt, die einen irgendwie "gemachten", womöglich technischen Charakter haben, ist leicht versucht, die zu beschreibende Kommunikation an dem zu messen, was man gemeinhin als Urform von Kommunikation betrachtet: der Interaktion face-to-face. Ein solches Verfahren kann heuristisch von Nutzen sein, doch sollten sich damit nicht ungeprüft Wertungen und Vorurteile in die Beschreibung einschleichen. Eine Kommunikation, die in vielfacher Hinsicht weit abliegt von der face-to-face-Kommunikation, ist deshalb nicht von vorneherein als weniger "echt", weniger "tiefgehend" etc. zu diskreditieren

Anmerkungen: Was ist der Unterschied zwischen Kommunikationsformen und -prozessen? Gibt es "gemachte" Kommunikationsformen, die keinen "technischen" Charakter haben? Wohl nicht. Also lassen Sie diesen unnötig hochtrabenden Halbsatz einfach weg. Die Formulierung "die zu beschreibende Kommunikation" wäre verständlicher, wenn Sie einfach "sie" schreiben! Und ja, Sie haben schon recht: Auf Deutsch würde face-to-face blöd klingen. Auf Englisch leider auch. Geprüfte Vorurteile gibt es übrigens nicht, denn sonst wären sie ja Urteile. Von Ihrer eigenen "Aussage" müssen Sie sich übrigens nicht distanzieren, lassen Sie die Anführungszeichen also weg.


So hätte ich es gesagt: Moderne Kommunikationsformen werden oft daran gemessen, wie sehr sie einem persönlichen Gespräch ähneln. Aber wie echt oder tiefgehend sie sind, hängt davon nicht unbedingt ab.

Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 17 vom 14.4.2016.

Der Sprachgebrauch von "öffentlich" und "Öffentlichkeit" verrät eine Mannigfaltigkeit konkurrierender Bedeutungen. Sie stammen aus verschiedenen geschichtlichen Phasen und gehen, in ihrer synchronen Anwendung auf Verhältnisse der industriell fortgeschrittenen und sozialstaatlich verfaßten bürgerlichen Gesellschaft , eine trübe Verbindung ein. Allerdings scheinen dieselben Verhältnisse, die sich gegen den überkommenen Sprachgebrauch zur Wehr setzen, eine wie immer konfuse Verwendung dieser Worte, ja ihre terminologische Handhabung doch zu verlangen.

Anmerkungen: Aufgrund der unnötig komplizierten Formulierung im ersten Satz machen Sie es dem Leser viel zu schwer, zwischen mannigfaltig konkurrierenden Interpretationen Ihres Textes zu wählen. Und wann genau gab es diese Verhältnisse, von denen Sie schreiben? Ach, das bezieht sich auf die Gegenwart? Na, dann könnte man ja auch einfach "im heutigen Gebrauch" schreiben, nicht?

Noch was: Die verschiedenen Bedeutungen gehen eine "trübe Verbindung" ein? Trübe bleibt vor allem der Sinn dieser Metapher ...Wer setzt sich hier wogegen zur Wehr?

So hätte ich es gesagt: Die Worte "öffentlich" und "Öffentlichkeit" haben mehrere historisch bedingte Bedeutungen.

Bernhard Zimmermann, Antonios Rengakos: Handbuch der griechischen Literatur der Antike

Die aktuelle Globalisierung bietet demgegenüber ein differenziertes, geradezu dialektisches und zutiefst ambivalentes Bild. Tendenzen der Nivellierung und Vereinheitlichung finden sich neben Phänomenen des Fortbestehens und der Resistenz, ja nicht selten – gerade in Reaktion auf die Kräfte der Unifizierung – der Verstärkung eigenständiger und separater Traditionen und Vorstellungen.

Anmerkungen: Was ist an der Globalisierung dialektisch? Ambivalent heißt so viel wie zwiespältig. Aber was finden Sie hier gut und was schlecht? Der zweite Satz klingt tief, bedeutet aber nicht wirklich viel. Denn Kontinuitäten wie auch Veränderungen gibt es ja wohl in allen historischen Epochen. Meinen Sie schließlich unter Unifizierung Vereinheitlichung? Dann schreiben Sie das auch. Oder meinen Sie etwas anderes? Dann müssten Sie uns das bitte erklären…

So hätte ich es gesagt: Scheinbar vereinheitlicht die Globalisierung kulturelle Traditionen in verschiedenen Teilen der Welt. Und doch gibt es viele Bereiche, in denen Unterschiede bestehen bleiben – oder sich sogar verstärken.

Hans Jonas: Die Freiheit des Bildens. Homo pictor und die differentia des Menschen.

Nun besteht aber dieses Paradox der Sinneswahrnehmung, daß die empfundene Affektivität ihrer Gebung, die für die Erfahrung der Wirklichkeit des Wirklichen nötig ist, indem sie diese in der Wirklichkeit des eigenen Affiziertseins bezeugt, zum Teil auch wieder aufgehoben sein muß, um die Erfassung seiner Objektivität, seines getrennt Für-sich-Bestehens zu erlauben.

Anmerkungen: Was ist hier unter Affektivität gemeint? Und warum soll diese "empfunden" sein? Wessen Gebung? Leider habe ich keine Ahnung, was der Unterschied zwischen Affektivität und Affiziertsein sein soll. Und ist Objektivität und "getrennt Für-sich-Bestehen" das Gleiche? Dass ich affiziert bin, bezeugt also, dass die empfundene Affektivität der Sinneswahrnehmung für die Erfahrung der Wirklichkeit des Wirklichen nötig ist? Ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung, ob dieser Satz überhaupt etwas bedeutet. Und ich bezweifle es auch…

So hätte ich es gesagt: Keine Ahnung.