Im Jahr 1989 hätte man für Tokio ganz Kanada kaufen können. So weit hatte der Immobilienboom Japan aufgeblasen. Japanische Aktien erzielten zugleich Rekordkurse. Alles war irreal, eine bloße Spekulationsblase, die entstanden war, weil die japanische Notenbank durch drastische Zinssenkungen der Yen-Aufwertung entgegenwirken wollte, die selbst wiederum durch die amerikanische Steuer- und Geldpolitik verursacht worden war.

Als die japanische Blase 1990 platzte, fielen die Aktienkurse innerhalb von zwei Jahren um die Hälfte, und die trägeren Immobilienpreise sind bis heute um gut 60 Prozent gefallen. Bei den Finanzinstituten und Privatanlegern löste der Verfall große Nöte aus, denn während die Schulden blieben, wurde das Eigenkapital durch den Preisverfall bei den Vermögenswerten aufgefressen. Viele Firmen gingen in Konkurs.

Die Banken verschleppten ihre Pleite, indem sie vermieden, die neuen Marktwerte ihrer Vermögensobjekte in der Bilanz zu verbuchen. Dadurch häuften sie stille Verluste an. Die konnten aber selbst die cleversten Buchhalter nicht beliebig lange vor sich herschieben. Das Jahr 1997 war das Jahr der Wahrheit für die japanischen Banken, denn die Finanzindustrie wurde weitgehend liberalisiert. Etwa 40 Prozent von ihnen kamen damals in Schwierigkeiten und wurden von anderen übernommen, verstaatlicht oder abgewickelt.

Die Wirtschaftspolitik reagierte auf die Krise, indem sie sich des Medikamentenkastens der keynesianischen und monetären Makrotheorie bediente. Der Staat verschuldete sich im großen Stil und betrieb ein Deficit Spending, um die Nachfrage nach Gütern und Leistungen des privaten Sektors zu erhöhen. Die Notenbank senkte die Zinsen immer weiter und überschwemmte das Land mit Geld.

Nur: Geholfen hat alles nichts. Japan wuchs seit 1990 im Schnitt nur noch um 0,9 Prozent pro Jahr und war damit langsamer unterwegs als jedes andere entwickelte Land außer Italien, jedenfalls wenn man die Gruppe der OECD-Länder betrachtet.

Als sich die Medikamente als wirkungslos erwiesen, reagierten die Japaner immer wieder von Neuem mit der Erhöhung der Dosis. Die Vertreter der keynesianischen Makroökonomie argumentierten nämlich, dass die Politik viel zu zaghaft sei und es nicht gewagt habe, in die Vollen zu gehen.

Seit 20 Jahren liegt der Zinssatz in Japan nahe null Prozent

Doch eine noch expansivere Politik, als sie in Japan realisiert wurde, ist schlechterdings nicht möglich. Die Staatsschuldenquote, die 1990 noch bei 67 Prozent gelegen hatte, beträgt mittlerweile 246 Prozent. Und der Diskontsatz, zu dem die japanische Notenbank ihr Geld verleiht, liegt seit dem Herbst 1995, also nun schon seit mehr als 20 Jahren, praktisch bei null. Im Februar dieses Jahres drückte die japanische Zentralbank ihn sogar auf den Wert von minus 0,1 Prozent.

Der letzte verzweifelte Versuch, dem Problem mit einer Erhöhung der Dosierung der Medikamente beizukommen, bestand im sogenannten Abenomics-Programm, das im Jahr 2013 begann und nach dem derzeitigen Premierminister Shinzo Abe so benannt wurde. Im Wesentlichen ging es um neue, riesige Schuldenprogramme und den Erwerb der Staatspapiere durch die Zentralbank, wie es der amerikanische Ökonom Paul Krugman der japanischen Regierung empfohlen hatte. Anfänglich schien das Programm zu wirken und ein bisschen Wachstum zu erzeugen. Doch verpufften auch diese Wirkungen sehr schnell. Nur drei Jahre nach dem Beginn der neuen Politik geht es der japanischen Wirtschaft so schlecht wie zuvor.

Das ist das grundsätzliche Problem der makroökonomischen Politik, sei sie nun fiskalischer oder geldpolitischer Natur: Stets greifen die Maßnahmen nur kurzfristig. Das liegt zum einen daran, dass eine Staatsverschuldung zwar staatliche Nachfrage nach Gütern und Leistungen von der Zukunft auf die Gegenwart zieht, sie aber in der Summe der Jahre nicht vergrößern kann. Jede Schuld muss ja bedient oder getilgt werden, was der Wirtschaft künftig so viel Stimulierung entzieht, wie sie heute hinzubekommt. Man kann schon wegen dieses trivialen Effektes keine dauerhafte Konjunkturbelebung erzeugen. Und wenn die Bürger dies durchschauen und misstrauisch werden, dann kommt es nicht einmal kurzfristig zu solch einer Belebung.

Zum anderen wirkt auch die Geldpolitik nur kurzfristig, weil ihre Erfolge großenteils über eine Währungsabwertung zustande kommen. Ein Teil des vielen neuen Geldes, das die Notenbank in die Wirtschaft pumpt, drängt ins Ausland und führt zu einer zusätzlichen Nachfrage nach Devisen, die fremde Währungen aufwertet und die eigene Währung damit abwertet. Das ist expansiv, weil die Konsumenten statt der teurer werdenden Importware eher heimische Produkte kaufen und weil die Exporte, die ja fürs Ausland billiger werden, anziehen. Doch schauen die Notenbanken der anderen Länder dem in der Regel nicht tatenlos zu. Treten sie mit eigenen Zinssenkungen in einen Abwertungswettlauf ein, kann der Effekt in sein Gegenteil umschlagen.

Sicher, man kann insofern zusätzlich auf stimulierende Effekte hoffen, als die niedrigen Zinsen die Finanzierung von Investitionen erleichtern. Die Nachfrage nach Investitionsgütern ist ein wichtiges Element der Binnennachfrage eines jeden Landes, weil viele Firmen nicht an Endkunden, sondern an andere Firmen verkaufen. Aber dem stehen regelmäßig negative Effekte bei den Verbrauchern entgegen. Gerade in Japan, wo die Altersversorgung vor allem auf der Kapitaldeckung basiert, bedeutet eine Zinssenkung, dass die Verbraucher umso mehr sparen, um den für das Alter geplanten Lebensstandard dennoch zu erreichen. Und wenn die Verbraucher nicht kaufen wollen, lohnt es sich trotz der niedrigen Zinsen für die Firmen nicht, zu investieren.