Es könnte so schön sein: Der alte Betonbunker an der Feldstraße erhält einen Aufbau mit Bäumen und Kletterpflanzen in strahlendem Grün. Was für eine Aussicht! Ein Park auf einem Mahnmal des Krieges, welch großartiges Symbol. Magazine, Zeitungen und Blogs verbreiteten es weit über Hamburg hinaus: Seht her, was diese Stadt plant!

Dann aber tauchte ein zweites Bild auf, verbreitet von den Gegnern. Es zeigte öde Glasfassaden, umgeben von Grau, dazwischen spärliche Pflänzchen, die eher nach Unkraut aussahen als nach Blätterdickicht. Macht euch nichts vor, sagte dieses Bild. Der Bunker als grüne Oase? Träumt weiter. Am Ende wird es trist.

Willkommen in einem Konflikt, der gerade St. Pauli entzweit. Willkommen im Kampf der Bilder. Grün oder Grau? Es ist ein Streit, der klein klingt, tatsächlich aber weit über das Heiligengeistfeld hinausreicht. Wie soll sich die Stadt entwickeln? Sind schöne Bilder entscheidender als gute Argumente? Können prächtige Animationen ausreichen, um ein Projekt durchzusetzen? Und wer profitiert am Ende wirklich – Anwohner oder Investor?

Grau: Auf dieser Simulation der Gegner dominiert der Beton. © d-plan GmbH

Das schöne Bild mit dem vielen Grün hat eine Gruppe von Anwohnern, Architekten und Stadtplanern erstellt. Sie will den rund 40 Meter hohen, direkt am Millerntor-Stadion gelegenen Betonklotz verwandeln. Für sie ist der ehemalige Flak-Bunker ein trister Ort, ein Fremdkörper. Seit zwei Jahren arbeiten sie an einem Konzept, das ihn verschönern und öffentlich zugänglich machen soll. Jetzt sind sie womöglich kurz vor dem Ziel: Der Bauantrag ist eingereicht, in zwei bis drei Monaten könnte er genehmigt werden.

Dass es so kommen wird, daran scheint unter den Befürwortern niemand zu zweifeln. Dafür seien die Signale aus der Politik zu positiv, sagt Robin Houcken, der als Geschäftsführer des Architekturbüros Metapol an dem Projekt mitarbeitet. Laufe alles wie gewünscht, stünden schon Ende des Jahres Baukräne über den massiven Mauern, zwischen denen während des Krieges mehr als 18.000 Menschen Schutz vor Bomben suchten.

Der Aufbau ist längst keine Spinnerei mehr, kein reiner Architektentraum. Das haben auch seine Gegner erkannt, die sich in der "Feldbunker Initiative" zusammengeschlossen haben. Sie sind in den vergangenen Wochen deutlich präsenter geworden – mit Plakaten, einer Podiumsdiskussion und einem zweiten Bild des Bunkers, auf dem er überhaupt nicht mehr so grün und makellos aussieht. Sondern grau und grässlich. Ihre Simulation soll den idyllischen Bildern der Bunker-Befürworter etwas entgegensetzen.

Beide Seiten wissen, wie wichtig Bilder sind für die öffentliche Stimmung – und setzen sie gegen die jeweils andere ein.

Die Gegner sind eine kleine Gruppe aus rund zehn Mitgliedern. Einige glauben, der Bunker erinnere in seiner unbegrünten Hässlichkeit am besten an die Schrecken des Krieges. Sie bestehen darauf, dass der seit 2009 bestehende Denkmalschutz eingehalten wird. Andere haben genug von der "Eventisierung" ihres Stadtteils. St. Pauli sei natürlich ein Vergnügungsviertel, inzwischen sei aber eine Grenze erreicht, sagen sie. Ein grüner Bunker soll nicht noch mehr Touristenscharen anlocken.

Was die Gegner eint, ist die Furcht vor der Willkür eines Investors. Der Park auf dem Bunkerdach ist für sie vor allem eins: Greenwashing. Ein Vorwand, um einem kommerziellen Plan im linksalternativen Viertel Akzeptanz zu verschaffen. Sollen dahinter nicht auch zwei Gästehäuser mit 125 Zimmern entstehen, ein Fitnessstudio, eine gigantische Halle mit Platz für bis zu 1100 Besucher? "Eine dreiste Lüge" nannte die Architektin Elinor Schües, eine Kritikerin und Mitglied im Denkmalrat, die hübschen Visualisierungen sogar.