Der Name dieser Initiative ist unscheinbar: Skala, das klingt nach dem Freundeskreis einer Oper oder einem Spendenverein für die Heilige Stiege. Doch in "Skala" verbergen sich die Initialen der reichsten Frau Deutschlands, der BMW-Großaktionärin Susanne Klatten. In Skala verbirgt sich auch das lateinische Wort für Treppe oder Leiter – etwas, das nach oben strebt. Und in Skala steckt "skalieren": ausweiten, expandieren, groß machen.

Die Skala-Initiative, deren Details Susanne Klatten in der kommenden Woche bekanntgeben wird, will genau das: etwas groß machen. Skala will in den nächsten fünf Jahren 100 Millionen Euro für gute Zwecke ausgeben. Die Summe ist hoch, doch entscheidender ist, wie Skala die Millionen verteilen will: Das Geld soll nur an Organisationen gehen, deren Arbeit nachweislich erfolgreich und effektiv ist. Klattens Ansatz wird den gemeinnützigen Sektor verändern.

"Früher war das eigene Denkmal die ultimative Legitimation für stifterisches Engagement", sagt der Gemeinnützigkeitsexperte Andreas Rickert, Chef des Analysehauses Phineo, "heute ist das immer öfter die gesellschaftliche Wirkung." Anders gesagt: Wohin die Erträge des Stiftungsvermögens flossen, hing früher oft davon ab, welches Hobby der Stifter pflegte oder wen er auf einem Empfang traf. Manch Stifter gab lieber Geld für eine Idee aus, um die sich schon zwanzig andere Einrichtungen kümmerten, als Geld für ein Anliegen zu geben, das noch niemand im Fokus hatte. Diese Haltung ging oft einher mit den Kinderkrankheiten der Philanthropie: Eitelkeit, Ehrpusseligkeit, Eigenbrötelei. Stifter arbeiteten lange Zeit nicht zusammen und feierten sich auf überdimensionierten Veranstaltungen selbst.

Skala zeigt, wie stark sich das Denken der Mäzene verändert hat – dabei ist es egal, ob die Rechtsform des Mäzenatentums eine Stiftung ist, die von den Erträgen eines Vermögens lebt, oder eine Initiative, die ihr Budget in einem begrenzten Zeitraum verbraucht. Skala wird eng mit Rickerts Phineo zusammenarbeiten, deren Gesellschafter neben der Bertelsmann-Stiftung und der Stiftung Mercator auch die Deutsche Börse und die Wirtschaftsprüfer KPMG und PwC sind. Mit 45 Mitarbeitern untersucht Phineo, wie sinnvoll und transparent gemeinnützige Projekte ihr Geld ausgeben. Wer den Check besteht, bekommt das Siegel "Wirkt!".

Die Analyse der Phineo-Experten erfolgt nach den Kriterien "Input, Output, Outcome, Impact". Was eher nach Gewinn- als nach Gemeinwohlmaximierung klingt, umreißt eine neue Geisteshaltung: nicht einfach nur eine gute Idee zu haben, sondern sich zu fragen, wie viel man mit ihr konkret erreichen kann – und den Nutzen auf Zielgruppen und Gesellschaft hin zu überprüfen

Diese "strategische Philanthropie" ist ein weltweiter Trend. 2002 erstellte das amerikanische Center for Effective Philanthropy erstmals einen Report, in dem Geförderte über ihre Geldgeber urteilten. Das deutsche Pendant Learning from Partners erschien 2012, als sich sechs deutsche Stiftungen dieser Mischung aus "Kundenzufriedenheitsforschung und zielfreier Evaluation", so die Studie, unterwarfen. Bei der zweiten Auflage der Studie im Jahr 2015 waren bereits elf Stiftungen dabei. Immer wieder lassen Stiftungen selbst einzelne Projekte evaluieren: In dieser Woche stellt etwa die Stiftung Polytechnische Gesellschaft vor, wie Wissenschaftler ihr "Präventionsprogramm in der frühen Elternzeit" bewerten.

Dass sich Stiftungen nun stärker darum bemühen, die Resultate ihrer Arbeit zu überprüfen, ist aus drei Gründen richtig. Erstens subventioniert der Steuerzahler die Arbeit von Stiftungen durch Steuerbefreiung. Rund jeder dritte Stiftungseuro stammt aus der Staatskasse; je wirkungsvoller das Engagement ist, desto besser legitimiert es sich für die Allgemeinheit. Zweitens leben viele Stiftungen von dem Vermögen, das ihnen ihr Stifter hinterlassen hat – und das muss laut Gesetz auf den Finanzmärkten sicher angelegt sein. Da die Zinserträge immer kleiner werden, schrumpfen die Budgets – der Druck wächst, die Mittel schlagkräftig einzusetzen. Und drittens widmet sich ein großer Teil der Stiftungen den Themen Bildung, Erziehung und Wissenschaft, die für das Leben vieler Menschen und die Entwicklung der Gesellschaft entscheidend sind. In der Politik waren diese Bereiche lange geprägt von intuitiven Entscheidungen – und haben in den vergangenen Jahren eine heilsame empirische Wende erfahren.

Gerade im Bildungsbetrieb sind die Stiftungen nicht mehr wegzudenken. Als vor knapp zwanzig Jahren die Bertelsmann-Stiftung unter dem Namen Schule & Co das erste große Bildungsprojekt einer deutschen Stiftung startete, war sie ein Pionier. Mittlerweile sind Stiftungen "auf allen Ebenen gefragt", wie es in einer neuen Studie der Hertie School of Governance und der Uni Heidelberg heißt. Sie seien "doppelt unabhängig", vom Markt genauso wie von der Politik, und fungierten daher als "Sozialunternehmer, Brückenbauer, Institutionenbauer oder Risikoträger".