Vor Kurzem ist das alljährliche Ranking erschienen, welchen Berufen die Deutschen am meisten vertrauen. Und wieder einmal liegen Journalisten und Politiker auf den hintersten Plätzen. Nicht wenige glauben, dass die von der Presse doch sowieso mit denen von der Politik unter einer Decke stecken. Nun, in meinem Fall ist es sogar so, dass ich mit einem Politiker unter einer Decke liege. Nacht für Nacht. Denn ich bin seit fast fünf Jahren mit Christian Lindner verheiratet, dem Vorsitzenden der FDP.

Warum ich meine Ehe hier thematisiere? Weil es Leute gibt, die keinen Unterschied machen zwischen "unter einer Decke liegen" und "unter einer Decke stecken". Diese Leute unterstellen einen Zusammenhang zwischen meiner journalistischen Arbeit und der Position meines Mannes. Tatsächlich habe ich mich an dieser Stelle (ZEIT Nr. 17/16) gegen ein gesetzliches Verbot sexistischer Werbung ausgesprochen. Eine entsprechende Initiative von Bundesjustizminister Heiko Maas nannte ich "staatlich verordnete Verklemmtheit". Ähnlich hat sich mein Mann als FDP-Chef geäußert. Er sprach von Spießigkeit.

Daraufhin befasste sich in der FAS eine Kollegin mit der Frage, was Lindner mit Spießigkeit meine. Sie fand den Begriff "seltsam untertourig" und schrieb: "Dasselbe gilt für ›Verklemmtheit‹. Die wird Maas in der aktuellen ZEIT unterstellt – Autorin des Artikels ist die Journalistin Dagmar Rosenfeld, Lindners Ehefrau." Was soll dieser Hinweis in einem Text, der sich mit der Positionierung der FDP befasst? Glaubt die FAS etwa, ich würde die ZEIT als Plattform für freidemokratische Programmatik nutzen? Nach dem Motto: Wo Rosenfeld drauf steht, ist tatsächlich Lindner drin.

Eine solche Verbindung überhaupt anzudeuten, zeugt von einer untertourigen Vorstellung von Journalismus. Und einem ziemlich seltsamen Verständnis von Ehe. Als streife sich die Frau mit dem Ehering zugleich die Meinung des Ehemannes über. Bemerkenswert ist, dass diese gestrige Denkweise ausgerechnet bei Feministinnen zu finden ist, die doch für ein modernes Frauenbild streiten wollen. In der Zeitschrift Emma beispielsweise gibt es die Rubrik Die lieben KollegInnen. Darin ist auch aus meinen Artikeln zitiert worden. Artikel, in denen ich kritisch über Schwarzer geschrieben habe. Meinen Namen hat die Redaktion – als einzigen – mit einem Beziehungsstatus versehen: "Ehefrau von FDP-Lindner". Soll dieser Zusatz einen aufklärenden Charakter haben? Und wenn ja, was genau soll er aufklären?

Die Tatsache, dass ich mit Christian Lindner verheiratet bin, ist schließlich kein Geheimnis. Wer meinen Namen bei Google eingibt, findet sofort eine Reihe von Fotos, die mich an der Seite meines Mannes zeigen. (Auf den Fotos sehe ich übrigens dicker aus, als ich bin. Das konnte ich hier nicht unerwähnt lassen.)

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 18 vom 21.4.2016.

Meine Beziehung hat selbstverständlich Einfluss auf meine journalistische Arbeit. Als ich 2009 bei der ZEIT anfing, zählte die FDP zu meinem Themenbereich. Das hat sich verändert, als Christian Lindner und ich ein Paar wurden, ich schreibe seitdem weder über die FDP noch über ihre Akteure. Wie alle Paare tauschen wir uns über unsere Arbeit aus, wodurch ich einen besonderen Einblick in die Partei bekomme. Das beeinflusst meine Ansichten über die FDP, nicht aber meine Überzeugungen. Und auch nicht mein journalistisches Handwerk.

Natürlich kommt es vor, dass mein Mann und ich in politischen Fragen einer Meinung sind, wie beim gesetzlichen Verbot sexistischer Werbung oder bei der Einführung eines flexiblen Renteneintrittsalters. In anderen Punkten, etwa bei der Frauenquote oder dem Betreuungsgeld, denken wir ganz unterschiedlich. Das aber interessiert die lieben KollegInnen nicht. Sie bringen den Ehefrauenstatus immer dann ins Spiel, wenn sich meine journalistische Einschätzung mit den Ansichten meines Mannes deckt. Warum schreibt eigentlich niemand über meine Artikel, die konträr zu FDP-Positionen stehen: "obwohl sie die Frau von FDP-Lindner ist"?

"Bin ich Verschwörungstheoretikerin, wenn ich Befangenheit unterstelle?", hat eine Leserin, die als Genderexpertin journalistisch tätig ist, anlässlich meines Textes zu Maas in einer Mail geschrieben. Vielleicht keine Verschwörungstheoretikerin, aber doch eine Sexistin, die mich auf das Ehefrauendasein reduziert.