Vor 25 Jahren stürmte ein Lied die deutschen Charts, das zum Horror jedes konservativen Englischlehrers werden sollte: I Can’t Dance von Genesis. Phil Collins, ein Brite, sang diesen Satz wie ein Amerikaner: "Ei känt däns". Indem Schüler diese Aussprache übernahmen, konterkarierten sie die herrschende Lehre im Englischunterricht. "In England heißt das: Ei kahnt dahns", wiesen die Sprachpuristen sie dann zurecht.

Diese Zurechtweisung war normal, jahrzehntelang lernten deutsche Schüler British English, das Idiom von Oxford, Queen und BBC. Eine große Tradition, so berechtigt wie sinnvoll: Die Schüler fuhren mit dem Schiff auf Klassenfahrt nach England, Beat und Cool Britannia prägten die Welt, das Empire glänzte noch ein bisschen, und Großbritannien war ein integraler Teil des gemeinsamen Europas.

Heute fliegen Schüler auf Klassenfahrt nach New York, die Stones sind alt, Oasis kaputt, das Empire treibt auseinander – und das Englische wird immer weniger durch seine (wunderschöne!) Oxford-Varietät geprägt. Stärker wirken das Englisch der Weltmacht USA und das International English der Abermillionen, deren Erstsprache eine andere ist. Wenn Geopolitik, Demografie, Sprachnormen und Popkultur sich ändern – muss sich dann nicht auch der Schulunterricht ändern?

Dort ist British English noch immer "sehr häufig Einstiegsstandard", wie der Gesamtverband Moderne Fremdsprachen beobachtet. Doch der letzte Grund dafür fällt weg, sollten die Briten am 23. Juni für den Brexit stimmen, den Austritt aus der EU. Die Bildungsstandards der Kultusminister schreiben British English nicht vor. Auf den politischen Brexit könnte ein zweiter Brexit folgen: das Ende des British English an deutschen Schulen. Künftig hieße es dann immer "Ei känt däns" statt "Ei kahnt dahns".