DIE ZEIT: Herr Nefzer, Sie sind Chef der Firma Nefzer Special Effects. Auf Ihrer Homepage sieht man ein Foto von einem grimmigen Tom Hanks im Regen. Was ist da los?

Ulrich Nefzer: Das ist eine Szene aus dem Film Bridge of Spies von Steven Spielberg. Die wurde an der Friedrichstraße in Berlin gedreht. Hanks quert die Straße und steigt ins Auto ein. Für die Szene haben wir den Regen gemacht. Es war aber nur ein kleiner.

ZEIT: Klingt so, als hätten da ein paar Gießkannen gereicht. Regen, Nebel, Schnee werden im Film künstlich erzeugt: Wie macht man Regen?

Nefzer: Für Hanks haben wir vier Stative aufgebaut. Die haben einen Querausleger, an dem dann Düsen hängen. Ein bisschen wie eine sehr große Dusche, aus der Tropfen fallen. Bei größerem Regen arbeiten wir mit sogenannten Regen-Rigs, das sind riesige Geräte. So ein Ding besteht aus Trassen, wie sie über Theaterbühnen hängen, und an diesen Trassen befestigen wir große Düsenköpfe, die den Regen auswerfen. Die werden am Kran hochgezogen. Unser größtes Rig macht einen Regen von 100 Meter Länge und 25 Meter Breite. Da laufen dann bis zu 2.700 Liter in der Minute durch.

ZEIT: Wo haben Sie das benutzt?

Nefzer: Am Berliner Hauptbahnhof zum Beispiel. Bei den Dreharbeiten zu Tom Tykwers Film The International. Da passiert gleich zu Beginn ein Mord, ein Geheimagent wird im Regen vergiftet. Wir haben zwei Tage lang vorm Bahnhof gedreht, aber es war ein bisschen kompliziert, weil man die Invalidenstraße ja nicht zwei Tage lang sperren konnte. Das ging immer nur für drei Stunden. Also mussten wir alles immer sehr schnell auf- und abbauen.

ZEIT: Zwei Tage lang Regen also. Wie finden das die Schauspieler eigentlich, so nass zu werden?

Nefzer: Nicht angenehm. Darum haben wir für Natalie Portman in V for Vendetta auch warmen Regen gemacht. Das ist aber viel aufwendiger, da braucht man dann Tanks, die man vorheizt, Durchlauferhitzer und mehr Leute am Set. Die müssen auf die Geräte achten, auf die Temperatur und die gleichmäßige Dichte des Regens.

ZEIT: Welche Temperatur hatte der Regen für Natalie Portman?

Nefzer: 34 Grad.

ZEIT: Das war also Ihr wärmster Regen. Welcher war denn der schönste?

Nefzer: Also für mich war das der Regen für Rush. Der Film spielt im Jahr 1976 in der Formel 1. Es geht um das Duell zwischen Niki Lauda und James Hunt und um das Rennen in Japan, wo es in Strömen regnete. Für den Film haben wir diesen Starkregen imitiert. Und das Schöne war, dass Originalaufnahmen dazwischengeschnitten wurden. Also musste unser Regen zum Originalregen passen. Der Dreh war eine große Herausforderung. Wir waren mit sechs Mann am Set. Immer wenn die Kamera woanders aufgestellt wird, müssen ja auch die Rigs umgestellt werden. Viel Arbeit.

ZEIT: Was kostet Regen bei Ihnen?

Nefzer: Bei Spielfilmen gelten Paketpreise. Wir schauen uns das Drehbuch an und machen dann einen Preis für alles – für Feuer, Explosionen, Wind und Wetter. Aber es kommt schon mal vor, dass eine Werbefirma anruft und fragt, was ein einzelner Regen kostet. Gerade dieses Wochenende haben wir einen kleinen Regen für eine Werbung gemacht. Die haben eine Szene aus Spiderman nachgestellt, da küsste Spiderman eine Frau. Und es regnete.

ZEIT: Wie teuer war das?

Nefzer: In dem Fall etwa 2.000 Euro.

ZEIT: Werden Sie überflüssig, wenn es beim Dreh wirklich regnet?

Nefzer: Im Gegenteil. Bei großen Hollywoodproduktionen sind ja oft 300 bis 400 Leute am Set, und wenn es plötzlich zu regnen anfängt, möchte man die nicht warten lassen, bis der Regen aufhört. Also dreht man bei Regen, und wenn dann am nächsten Tag die Sonne scheint, müssen wir künstlichen Regen machen, damit der Anschluss stimmt.

ZEIT: Muss man als Regenmacher Regen mögen?

Nefzer: Nein. Ich mag Regen überhaupt nicht. Aber ich gucke mir den Regen schon immer genau an. Unser künstlicher Regen ist über die Jahre immer besser geworden. Aber an die Natur kommen wir nicht ran.