Manchmal verbirgt sich hinter besonders harmlosen Namen besonders viel Sprengstoff: Beim 22-seitigen Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats des Bundeswirtschaftsministeriums ist das der Fall. Es erscheint an diesem Donnerstag und lag der ZEIT vorab vor. Sein Titel: "Mehr Transparenz in der Bildungspolitik". Eigentlich müsste es aber heißen: "Aufschrei der Forscher: Wie die Kultusministerien die Arbeit der Wissenschaft behindern".

Im Beirat sitzen die wichtigsten Ökonomen Deutschlands, darunter die Bildungsforscher Regina T. Riphahn und Ludger Wößmann. Da Bildungspolitik Ländersache ist, könnten die Wissenschaftler vieles untersuchen: Wie wirkt es sich aus, wenn das eine Land seine Schüler in zwölf Jahren zum Abitur führt und das andere in dreizehn? Ist die Inklusionsstrategie von Bundesland X erfolgreicher als die von Bundesland Y? Wie hängen Klassengröße und Lernerfolg zusammen?

Doch die Forscher bekommen die Daten nicht: "Die Kultusbehörden behindern seit vielen Jahren die Erforschung von bundeslandspezifischen Bildungsinitiativen", heißt es in dem Gutachten. Von "oft systematischer Verweigerung" spricht Riphahn, von "Vernebelungstaktik" Wößmann. Dass ein Beirat eines Bundesministeriums die Politik der Bundesländer mit solch starken Worten kritisiert, ist ungewöhnlich. Ein Aufschrei.

Es wäre eine riesige Chance für die Länder, den Forschern Zugang zu den Daten zu geben. Zum einen wird gerade Bildungspolitik noch immer zu stark aus dem Bauch heraus gemacht – dabei führt mehr Empirie zu besseren Entscheidungen. Zum anderen legitimiert die Idee vom "Wettbewerbsföderalismus" die Kulturhoheit der Länder – doch wer keine Daten hat, hat auch keinen Wettbewerb.