Im Wartezimmer beim Arzt. Das dauert. Was tun? Klar: Handy raus, Nachrichten checken, im Internet surfen, Spiele daddeln – alles, bloß keine Langeweile! Die ist schließlich die letzte echte Sünde unserer Immer-auf-Zack-Welt. Alles geht – Türkensatire, Satirestreit, Streitdebatte, Debattengrusel –, alles, bloß kein Leerlauf. Denn das erste Gebot der digitalen Welt lautet: Du sollst dich nicht langweilen!

Blöd nur, dass genau das auf Dauer so ein komisches Rauschen im Kopf erzeugt, so eine innere Unruhe, ein zähes Warten auf das RICHTIG GROSSE DING, das nie zu kommen scheint – kurz: dass gerade die permanente Ablenkung zu dem überaktiv-leerlaufenden Gefühl der Langeweile führt.

Die schockierende Wahrheit ist: Je mehr wir gegen die Langeweile anarbeiten, desto gelangweilter sind wir. Das ist der Befund der britischen Psychologin und Langweiligkeitsexpertin Sandi Mann. In ihrem soeben erschienenen Buch The Upside of Downtime. Why Boredom is Good stellt sie fest, dass sich ausgerechnet in unserer schnelllebigen Zeit nahezu jeder Zweite als "häufig gelangweilt" beschreibt. Am Arbeitsplatz klagen sogar zwei Drittel über das Gefühl innerer Leere. Wir langweilen uns in Meetings und bei stumpfsinnigen Tätigkeiten, an der Kasse im Supermarkt, vor dem Fernseher. Und leider auch beim Vertreiben der Langeweile mit Instagram oder Facebook.

Warum? Weil wir den Leerlauf nicht mehr aushalten; weil wir uns in jeder freien Minute gleich den nächsten digitalen Kick vom Handy holen; und weil wir davon, wie Junkies, die sich an ihren Stoff gewöhnen, eine immer höhere Dosis brauchen, um unser Nervensystem noch zu kitzeln. Anders gesagt: Wird die permanente Aufregung zur Normalität, dann regt sie uns bald nicht mehr auf, sondern beginnt – eben – uns zu langweilen. Böhmermann? Ach, das war doch der Aufreger von letzter Woche. Gibt’s nichts Neues?

Natürlich kann man versuchen, das drohende Leerheitsgefühl schnell mit neuem Stoff zu füllen, neuen Schlagzeilen, neuen Spielen, neuen Apps – und erreicht damit doch nur, dass das kurzfristig erhöhte Erregungsniveau zur neuen, langweiligen Normalität wird.

Was tun? Richtig langweilen, empfiehlt Sandi Mann. Sich nicht mit immer neuen Infohäppchen weiter stimulieren, sondern sein Nervensystem mal runterfahren, den Leerlauf genießen lernen. Langeweile als mentales Entgiftungsprogramm wertschätzen! Froh sein, dass wir mal nichts müssen und nichts los ist; dass wir die Sache so dahinplätschern lassen können. Irgendwelches Larifari denken. Löcher in die Luft starren. Die Augen schließen ......................... ......................... ......................... ......................... ......................... ......................... ......................... ......................... ......................... ......................... ......................... ......................... ......................... ......................... ......................... ......................... ......................... ......................... ......................... ......................... ......................... .........................

Na bitte, geht doch!