Herzschlagfinale! Nur noch Minuten trennen den FC Bayern München vom Titel des Deutschen Fußballmeisters. Der FC Bayern entthront den FC Bayern, der im Vorjahr den FC Bayern ablöste ... Auch die Ostkurve bejubelt die Wiederkehr des Immergleichen und gibt die Meister der Jahre 2017 bis 2022 bekannt: FC Bayern, FC Bayern, FC Bayern, FC Bayern, FC Bayern, FC Bayern. Konkurrierende Dortmunder Balljungen werden erworben und bayerisch umgekleidet. Und bis ans Ende aller Spieltage brüllt der bayerische ARD-Hörfunkreporter Karlheinz Kars die Dauersensation in den Äther: DOOOORRRRR FÜRR DEN FC BAYERN!!!

1978 zog ich nach Berlin. Damals begann die Siegesserie des BFC Dynamo. Überraschend preschte Erich Mielkes junge Truppe durch die Phalanx Dresden–Jena–Magdeburg. Den ersten Titel feierten im Jahnsportpark 22.000 Fans, den zweiten 30.000. Dann wurde jegliches Talent zum BFC "delegiert". Die zehnte Meisterschaft in Serie begähnten 7.000. Ich gähnte mit. In all den bleiernen Jahren ertrug ich für 1,55 Mark unablässig siegreiche BFC-Lockerungsübungen und lauschte per Kofferheule der Oberliga-Übertragung auf Radio DDR. Die Abschaltung der sprachmeisterlichen Funktragöden Wolfgang Hempel, Hubert Knobloch, Werner Eberhardt war die Todsünde der deutschen Einheit. Mit der vierten Liga kann ich leben. Und genieße Bratwurst, Bier sowie – in Maßen – den FC Carl Zeiss Jena in Neustrelitz, Luckenwalde, im Stadion Vogelgesang zu Rathenow.

Zum DDR-Finale war Dynamo Dresden endlich wieder Meister. Der Mittelstürmer hieß Matthias Sammer. Heute ist er Sportdirektor des FC Bayern, leider derzeit krank. Hallo, Matthias! Glückwunsch und gute Besserung. Aber: Fußball ohne Spannung ist Gymnastik.