Als der spätere Weltmeister Anatoli Karpow mit fünf Jahren nach einer verlorenen Partie gegen seinen Vater in Tränen ausbrach, sagte dieser: "Wenn du noch einmal weinst, spiele ich nicht mehr mit dir." Diese harte Lektion merkte er sich fürs Leben und wahrt(e) auch bei schlimmen Niederlagen stets sein Pokerface. Aber welcher Schachspieler kennt nicht die Verzweiflung, vor allem unter unglücklichen Umständen?!

Bei der Mannschaftsweltmeisterschaft 1985 in Luzern wollte ich gerade voller Vorfreude den Argentinier Miguel Quinteros mit einer vierzügigen Kombination matt setzen, als er meine Zeitüberschreitung reklamierte. Eine Welt brach für mich zusammen, da war nur noch eine entsetzliche Leere. Welch Erleichterung, wenn sich dieser Vernichtungszustand schließlich in einer Tränenflut auflösen kann.

In seiner 2011 erschienenen Autobiografie Zwart op Wit (New in Chess) berichtet der niederländische Großmeister Paul van der Sterren, wie ihm dies einmal in seinem Schachleben geschah: "Der Verdruss über die Niederlage, über die Vergeblichkeit meiner Bemühungen, über das, was ich meinem armen Damengambit angetan hatte, über meine festgefahrene Karriere, über alles und alles und alles – es brach wie in einem Wasserfall auf." Das war nach einem Verlust gegen den Niederländer Hans Ree in Amsterdam 1984. Zuletzt hatte van der Sterren mit Tf8-d8 Schach gegeben. Welcher Gegenzug von Ree war so unerwartet und furchtbar?

Berichtigung und Lösung aus Nr. 18:

Leider stand letzte Woche der schwarze Läufer falsch auf e7 statt auf d8. Wir bitten dies zu entschuldigen. – Wie konnte Weiß am schnellsten gewinnen? Nach 1.b6! drohte unmittelbar 2.Ta8 matt, nach 1...Lxb6 2.Ta8+ Kc7 3.Txf8 gewönne Weiß den Turm