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Wenn eine heiße Flüssigkeit abkühlt, dann tut sie das auf dreierlei Weise. Erstens: Sie strahlt Wärme in Form von infraroter Strahlung ab. Zweitens: Die Wärme wird in die umgebende Luft geleitet, indem die Wassermoleküle ihre Energie an die Luftmoleküle weitergeben. Konvektion nennt man das. Allerdings ist Luft ein sehr schlechter Wärmeleiter, sodass auf diese Weise nicht viel Hitze verloren geht. Deshalb interessiert uns hier vor allem die dritte Form der Abkühlung, nämlich die Kühlung durch Verdunstung.

Die beschrieb der Physiker Richard Feynman in einer seiner berühmten Vorlesungen über Physik so: "Die Moleküle im Wasser zappeln ständig herum. Von Zeit zu Zeit wird eines an der Oberfläche ein bisschen härter getroffen als sonst und fliegt weg." Damit sinkt die durchschnittliche Energie der verbleibenden Moleküle, die Flüssigkeit wird kälter.

Allerdings sammeln sich die verdunsteten Moleküle in der Nähe der Oberfläche, und viele von ihnen dringen wieder in die Suppe ein – und heizen sie auf. Das verlangsamt den Abkühlungsprozess, irgendwann stellt sich sogar ein Gleichgewicht ein. Und hier kommt das Pusten ins Spiel: Bläst man auf die Suppe, dann wird die mit Feuchtigkeit gesättigte Luftschicht an der Oberfläche durch trockene Umgebungsluft ersetzt. Der Nettoeffekt der Verdunstung ist dann größer, die Suppe kühlt also schneller ab.

Wie groß dieser Effekt ist, hängt von einigen Faktoren ab, vor allem von der Größe der Oberfläche im Verhältnis zum Volumen. Über einen vollen Suppentopf zu pusten hat keine große Wirkung. Über einen vollen Löffel aber schon – er ist ein ideales Verdunstungsgefäß. Deshalb kommt auch Feynman zu dem Ergebnis: "Pusten Sie auf Ihre Suppe, um sie zu kühlen!"

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