Dass ein kleiner Junge sich plötzlich mit einem Krokodil im Rucksack auf dem Heimweg befindet, scheint zunächst eine abwegige Vorstellung zu sein. Doch die norwegische Autorin Taran Bjørnstad erzählt so klug und voller Wärme, warum es genau so gewesen ist, dass die Geschichte zweifelsohne der Wahrheit entsprechen muss.

Odd hat Angst vor großen Hunden, seine ältere Schwester wird hysterisch, wenn er sich ihrem Hamster nähert, und in der Schule wird Odd sowieso nur "Odd-Birnenkompott" gerufen. Als die ganze Klasse einen Ausflug ins städtische Aquarium macht, gruselt er sich, schließlich vermutet er dort unter anderem giftige Monsterspinnen. Doch dann stellt der Tierpfleger Rolf den Kindern Zack vor, ein Minikrokodil. Und das Beste ist: Odd traut sich, Zack zu streicheln.

Was danach passiert, ist eine rasante Gaunerkomödie, in der Odd Zack mit nach Hause nimmt, ihn mit Aufschnitt aus dem Kühlschrank füttert und gleichzeitig vor der Familie versteckt und dabei über sich hinauswächst. Und so ist Odd zum Schluss, als das Krokodil längst wieder bei seinem Pfleger ist, ein bisschen mehr geworden wie Zack: selbstständig, mutig und gefährlich.

Taran Bjørnstad/Christoffer Grav: Der Krokodildieb. Roman mit Bildern; ab 8 Jahren. Deutsch von Maike Dörries; Beltz & Gelberg 2016; 134 S., 12,95 €