Budnikowsky: Cord Wöhlke, Christoph Wöhlke

Es begann 1912, Iwan Budnikowsky eröffnete sein erstes Geschäft, 25 Quadratmeter, Seifen und Putzmittel. Heute sind es 182 Filialen und 1.900 Mitarbeiter.

Cord Wöhlke, 65, der amtierende Chef, ist ein liberaler Patriarch, eigentlich wollte er nach der Banklehre Philosophie studieren oder Theologie, aber irgendwie war Budni dann doch reizvoller als Dogmentheorie und Strukturalismus.

Sein Sohn Christoph, 37, hat schon im Alter von sieben Jahren Regale eingeräumt, er verfügt also bereits über drei Jahrzehnte Budni-Training. "Ich bin noch relativ jung", sagt der für Marketing zuständige Vorstand, "es ist sehr wertvoll, vom Vater begleitet zu werden."

Fragt sich nur, wie lange. Cord Wöhlkes Assistentin meinte neulich, sie habe noch siebzehn Jahre bis zur Rente. Da hat sich der Chef gefreut: "Vielleicht höre ich dann auch auf!"

"Buddenbrooks"-Faktor: 2/4

Block: Eugen Block, Dirk Eugen Block

Der Senior ziehe sich zurück, hieß es in der ZEIT. Das war 1990. Eugen Block, 75, ist immer noch da. "Statistisch habe ich noch zehn Jahre", sagt der Gründer der Block-House-Kette (40 Steakhäuser). "Aber ich werde natürlich hundert."

Sohn Dirk Eugen, 40, kann also noch mal 25 Jahre warten. In dieser Zeit hat er dann auch den Rausschmiss aus der Geschäftsleitung verdaut, 2011 war das, es ging angeblich um die Hängelampen, die dem Alten nicht gefielen. Vielleicht war es auch die Farbe der neuen Servietten – Block gilt als äußerst penibel ("Darauf bin ich sehr stolz").

Auch seine geschäftlichen Ziehsöhne werden permanent entmachtet, im Schnitt scheitern im Grand Elysée Hotel zwei Direktoren pro Jahr (Body Count bislang: 17).

Letztlich gilt der Satz von Dirk Eugen: "Es kann immer nur einen Bullen auf der Weide geben. Mein Vater hat sehr deutlich gezeigt, dass er das ist."

"Buddenbrooks"-Faktor: 4/4

Otto: Werner Otto, Frank Otto

Werner Otto (gestorben 2011) gründete 1949 den Otto-Versand. Als Sohn Michael, 73, in den Vorstand kam, trauten ihm die Kollegen nichts zu, "Öko-Spinner" hieß es, zu soft sei er. Er hat es ihnen dann richtig gezeigt, der Umsatz der Otto-Gruppe beträgt heute rund zwölf Milliarden Euro.

Michaels Sohn Benjamin, 40, hatte offenbar keine Lust auf den Geschäftsposten, er wurde "gestaltender Gesellschafter", eine Art Kreativchef für Strategiefragen. Den harten Managerjob macht Hans-Otto Schrader, der sich neuerdings von den 53.000 Mitarbeitern per Memo-Verfügung duzen lässt.

Komplett ausgeschert ist Frank Otto, 48, Michaels Halbbruder. Er studierte Kunst, spielte Schlagzeug und macht heute in Medien (Hamburg 1, Hamburg Zwei). Als Milieu-Rebell dater er das Starlet Natalie Volk ("Unser Spielraum in Sachen Treue ist ein bisschen größer").

"Buddenbrooks"-Faktor: 3/4

Reemtsma: Philipp Fürchtegott Reemtsma, Jan Philipp Reemtsma

Einmal sprach ihn ein langjähriger Reemtsma-Mitarbeiter auf der Straße an: "Als ich Sie eben gesehen habe, meinte ich, Sie wären Ihr Vater." – "Etwas Schlimmeres hätten Sie mir nicht sagen können", entgegnete der Gelehrte.

Dieser Vater, Philipp Fürchtegott Reemtsma (1983 bis 1959), war in Geschäftsdingen strikt, in ideologischen Fragen eher lax (Spenden an die Nazis, Nähe zu Hermann Göring). Dass sein Sohn Jan Philipp, schon in jungen Jahren ein angehender Star der deutschen Soziologie und Germanistik, auf Abstand gehen würde, war klar. 1980 verkaufte er die mehrheitlich ihm gehörende Firma Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH an die Hamburger Tchibo.

Anders als Hanno war Jan Philipp Reemtsma nie vom Ennui geplagt. Bis heute wirkt er mit Eifer und Unternehmertalent als Mäzen, Schriftsteller und Kritiker.