Früher, in seinem ersten Leben, liebte es Alan Hofmanis, wenn es nachts regnete, wenn die Tropfen gegen das Fenster seiner New Yorker Wohnung prasselten und er drinnen im Trockenen war, dieses Gefühl der Geborgenheit.

Heute, in seinem neuen Leben, kommen mit dem Regen die Ratten. Sobald die Tropfen auf das Wellblech über Hofmanis hämmern, ist an Schlaf nicht mehr zu denken. Er stopft dann die löchrigen Lehmwände mit Klamotten, um das Wasser draußen zu halten, was selten klappt, und schaut den katzengroßen Tieren auf dem nackten Boden bei ihren Kämpfen zu. Und dann ist da noch diese Regel, die Hofmanis lernte, als er in den Slum zog: Wenn es nachts regnet, kommen auch die Räuber. Weil es dann laut und dunkel ist.

Gerade herrscht in Uganda Regenzeit. Hofmanis liegt also oft nachts wach, ein langer weißer Kerl auf einem zu kurzen Bett, und fragt sich: Warum bin ich hier? Er gibt sich selbst die Antwort: Weil ich nicht anders kann.

Es ist wie bei einem Süchtigen. Die Nebenwirkungen sind lästig. Aber sie sind vergessen, wenn es neuen Stoff gibt. Und den gibt es fast jeden Tag. In Form von Geschichten und Erlebnissen. Du weißt nie, was als Nächstes passiert.

Neulich zum Beispiel wurde Alan Hofmanis zum ugandischen Jesus Christus. Ein paar Wochen vorher musste er in den Brustkorb einer toten Ziege kriechen. Und einmal trat Hofmanis morgens in die Sonne, da stand ein lachender Mann von 40 Jahren vor ihm, in einer Art Ghostbuster-Anzug, auf der Brust die Aufschrift Ebola Hunter, Ebola-Jäger: Gasmaske über dem Gesicht, in einer Hand einen Pestizidschlauch, in der anderen eine Wasserpistole. Daneben ein Kannibale und ein Menschenaffe, bewaffnet mit Gewehrattrappen aus Metallrohren.

Deshalb ist Hofmanis hier. Wegen dieser verspielten Verrücktheit, die seiner Heimat, einer reichen, komplizierten Gesellschaft, irgendwie verloren gegangen ist. Der Amerikaner Hofmanis kam als Suchender nach Afrika. Und er wurde fündig.

Vier Jahre ist das jetzt her. Hofmanis hatte damals einen Job bei einem Filmfestival in New York. Klingt glamourös, war aber schlecht bezahlt und langweilig. Dafür schien sein Privatleben in Ordnung zu sein: Hofmanis liebte seine Freundin und wollte ihr einen Heiratsantrag machen. Wochenlang suchte er nach einem Ring, dann kaufte er einen Saphir, viel zu teuer, aber wunderschön.

Am Tag darauf ließ sie ihn sitzen.

Als er den Ring im Geschäft zurückgab, war das der Tiefpunkt seines Lebens. Aber ganz unten ist die Aufbruchsstimmung manchmal am größten. Und so mischte sich in das Selbstmitleid der Trotz; dieses Ich-werde-es-euch-allen-zeigen-Gefühl dessen, der glaubt, nichts mehr zu verlieren zu haben.

Alan Hofmanis beschloss, etwas zu wagen. Etwas Radikales. Etwas, womit niemand rechnet.

Aber was?