Er selbst, reiten? Bloß nicht! Bei aller Liebe zum Reitsport. Er auf einem Pferd? Nein, Jacques Toffis Spezialdisziplin ist eine andere.

Beim Turnier Horses & Dreams im niedersächsischen Hagen hat die Dressurprüfung begonnen. Rings ums Viereck stehen die meisten Fotografen. Wie soll da ein ganz besonderes Bild entstehen? Toffi, der Jäger des perfekten Moments, lauert woanders: Er steht beim Einreiten. Fast 20 Kilo wiegt die Ausrüstung, drei Kameras, verschiedene Objektive. Gerade zeigt der Hannoveraner Alibi D den starken Trab, Galoppwechsel, gleich die Piaffe. Von wegen! Alibi D keilt aus, schüttelt die Mähne. Toffi hält drauf, löst aus – tactactacterrac. Sekunden später ist er, auch darin dem Pferd gleich, wieder völlig gelassen. Ob ein gutes Bild dabei war? Das sehe man erst zu Hause, in der Auswahl am Rechner, sagt er.

Jacques Toffi ist Syrer und sieht Georges Moustaki zum Verwechseln ähnlich, was ein wenig Exotik in den treudeutschen Pferdesport bringt. Er ist stets britisch gekleidet: kariertes Hemd, Barbour-Jacke, Schirmmütze. Plus Zigarillo, Marke Clubmaster. Seit drei Jahrzehnten ist der 64-Jährige unterwegs auf den wichtigsten Turnierplätzen der Welt, in Eindhoven, Aachen, Luhmühlen und Badminton, er war bei allen Weltmeisterschaften, Olympischen Spielen, von Barcelona bis London, kennt alle Reiter, häufig auch deren Familien. Ja, Jacques Toffi duzt sogar alle Hengste.

Und von heute an wird dieser Jacques Toffi, der selbst nie reiten würde, aber seit Jahren einer der besten und bekanntesten Pferdefotografen der Welt ist, in seiner Stadt sein: in Hamburg. Beim Deutschen Spring- und Dressur-Derby in Klein Flottbek. Es ist der erste Höhepunkt im Olympiajahr. Die Spitzenreiter, die große Ziele haben, sind alle da. Selbst wenn das Wetter kalt und nass bleibt. Toffi wäre das sogar lieb. "Bei schlechtem Wetter fotografiere ich besonders gern. Da packen alle Amateure ihre Kameras ein – und es gibt tolle Arbeitsfotos."

Toffi wird sich wieder dort einen Platz suchen, wo kein anderer Fotograf steht. Um einen Blick zu finden, der einzigartig ist. Um so nah dran zu sein wie kein anderer: "Wenn du mit dem Objektiv so dicht dran bist, hörst du über 100 Meter hinweg den Atem des Pferdes, da bist du mittendrin im Geschehen, besonders, wenn ich den Reiter oder die Reiterin schätze."

Jacques Toffi ist ein Weltklassefotograf, der Sport fotografiert. Aber ein Sportfotograf? Nein, das ist er im Grunde nicht. Paul Schockemöhle, ehemaliger Olympiareiter und heutiger Großunternehmer, der Toffi seit Langem kennt, drückt es so aus: "Jacques erfasst mit seinen Aufnahmen das Hintergründig-Künstlerische, und er zeigt den besonderen Charakter eines Ereignisses. Dabei ist er einzigartig."

Es kann doch nicht so schwierig sein, diese Gäule mit der Kamera einzufangen – könnte man meinen. Aber von wegen. Erstens sind Pferde Fluchttiere. Wenn sie loslaufen, halten sie so schnell nicht wieder an. Zweitens kommt es im Turnier auf Nuancen von Bewegungen an, die ein Laie kaum sehen kann. Das muss ein Fotograf erkennen – und vorausahnen. "Er ist mit der Aufmerksamkeit immer einen Tick vor der Bewegung, das ist unglaublich schwierig", sagt eine langjährige Freundin über Toffi.

Wie haben Sie Ihren Blick geschult, Herr Toffi?

"Ich habe schon als Kind viel gezeichnet und aquarelliert, besonders gern in den heißen Sommermonaten daheim in Latakia, wenn Mittagspause war." Später schenkte ihm ein Mitschüler eine Kamera, eine Box. "Die Filme brachte ich zum Fotoatelier eines Armeniers, er sagte: Jacques, deine Fotos sind gut!"

Was hat Sie dann nach Hamburg geführt?

"Ich wollte an der Seefahrt-Akademie studieren und bin mit zwei Freunden gekommen, auf der Route, die heute die Flüchtlinge nehmen, über die Türkei und Bulgarien. Als wir am Hauptbahnhof ankamen, hatten wir zusammen 17 Deutsche Mark. Aber wir waren jung, wir waren zuversichtlich. Deutsch hatten wir schon im Goethe-Institut zu Hause gelernt – 'ich bin, du bist', das war alles drin."

Einige Lehr- und Studienjahre später, er hatte bereits das Zeugnis als Kapitän für Große Fahrt in der Tasche und eine Hamburgerin geheiratet, nahm ihn deren Familie mit zum Flottbeker Turnier. Von einem Tribünenplatz aus fotografierte er, damals war es eher noch ein "Knipsen". Zufall, dass einer der Stuarts des Turniers diese Fotos sah und empfahl, sie doch mal Karl Morgenstern zu zeigen, dem Bildchef der Deutschen Presse-Agentur, einem einflussreichen Mann der Branche.