Mojo, Molotow, Golden Pudel Club: Wenn beliebte Bars und Clubs von Schließung oder Abriss bedroht sind, ist das in Hamburg oft ein Politikum. Vergangene Woche machte das Gerücht die Runde, das Yoko Mono im Karoviertel müsse Ende April schließen. Ein weiterer Rückschlag für Hamburgs Barszene?

Wir können vorläufig Entwarnung geben: Akut ist das Yoko Mono nicht gefährdet, es haben sich bloß die Betreiber zerstritten. Ein Muster, das in Hamburg zur Plage zu werden scheint, wie der Konflikt um den Pudel zeigt. Das Yoko Mono aber, diese unverwüstliche Souterrain-Bar, soll bis auf Weiteres geöffnet bleiben.

Der Rezensent wischt sich den Angstschweiß von der Stirn, der Abgesang bleibt ihm erspart. Und damit auch der Besuch dieser famosen Raucherkneipe, die seit 16 Jahren an der Marktstraße ansässig ist und dabei nie alt wurde. Nicht dass man da nicht gerne hinginge, aber mit Verlaub: Wie die da qualmen! Da schmerzt der Kopf am nächsten Tag, selbst wenn man sich die ganze Nacht am Mineralwasser festhält. Der Rezensent ist ja auch nicht mehr der Jüngste.

Da trifft es sich gut, dass das Yoko Mono seit über einem Jahr einen Ableger hat, der folgerichtig John Lemon heißt. Diese Kneipe ist die erwachsene Variante des Yoko Mono. Sie liegt in Eimsbüttel in den Räumen einer ehemals, nun ja, altdeutschen Kneipe mit sogenannter Bundeskegelbahn, die schon vor der Übernahme ein Geheimtipp war für ausgelassene Jungerwachsenengeburtstage mit Lust aufs Rumkugeln.

Die Kegelbahn erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit – auch wenn sich an diesem Abend niemand aufs Parkett traut. Der DJ, ein älterer Herr mit Glatze, spielt in Diskothekenlautstärke sinistren Gitarrensound: von Jeffrey-Lee-Pierce-Klassikern bis zur neuen PJ-Harvey-Single. Was aber nicht stört, denn der Gastraum ist zweigeteilt. Hinten kann man sich bestens unterhalten, auch wenn der Kollege vorne aufdreht, als würde er ein Festival beschallen.

Erfreuliche Entdeckung: Auch im John Lemon darf man rauchen. Aber wie gesagt, die Stimmung ist erwachsener als im Yoko Mono, und somit ist es auch der Nikotinkonsum. Es wird nicht gequalmt, als gäbe es kein Morgen.

Was trinkt man hier? Einen Moscow Mule zum Beispiel (7 Euro), einen Longdrink aus Wodka, Limettensaft und Ingwerbier, den Anfang der Vierziger ein Barbetreiber aus Los Angeles erfunden haben soll, weil er von Smirnoff eine Lizenz gekauft hatte und einen Drink brauchte, um Wodka populär zu machen. Der Drink kommt im John Lemon schön scharf, wegen des Ingwers.

Beim Sweet Pepper (6,50 Euro) muss der Barkeeper erst nachdenken, kriegt ihn dann aber hervorragend hin. "Ist eben jetzt nicht der Laden, wo man zum Cocktailtrinken hingeht", kommentiert die Begleitung des Rezensenten.

Und in der Tat: Die meisten Gäste sitzen hier bei Bier oder Weinschorle. Angenehm ist der Laden, zu gleichen Teilen bodenständig, nachbarschaftlich und modern. Man spürt, er liegt an der Grenze zwischen Schanze und Eimsbüttel: Saufkioske gibt es hier keine mehr, auch kaum Junggesellinnenabschiede. Dafür aber eine Kegelbahn und Raucherlaubnis. Besser so.

John Lemon, Vereinsstraße 34; Montag bis Sonntag, 17 Uhr bis mindestens 3.30 Uhr