Marion Knaths: Männergruppen kommunizieren hierarchisch, statusorientiert, ausgerichtet jeweils an der ranghöchsten Person. Bei Frauengruppen finden Sie dagegen eher eine nonhierarchische Kommunikation. Sie dient vor allem dazu, Verbindungen herzustellen. Der Stil ist sachorientiert, und es ist verpönt, die eigene Leistung in den Vordergrund zu stellen. Das hat in Runden mit vielen Männern durchaus Nachteile. Der oft männliche Chef bekommt im Zweifel gar nicht mit, was die Frauen in der Runde sagen, weil er von ihnen nicht direkt angesprochen wird.

DIE ZEIT: Wer muss sich denn jetzt in seiner Kommunikationsstrategie auf wen zubewegen, damit das Gespräch gelingt?

Knaths: In Kommunikations- und Rhetoriktrainings für Führungskräfte lernen die Teilnehmer immer öfter die nonhierarchische Kommunikation. Aber im Berufsleben geht es auch darum, sich gegebenenfalls durchsetzen zu können, sichtbar zu sein. Am fruchtbarsten ist es also, wenn man die beiden Systeme mischt.

ZEIT: Wie männlich müssen, wie männlich dürfen Frauen auftreten?

Knaths: Bei Männern ist es akzeptiert, wenn auch nicht wertgeschätzt, wenn einer sein Ego so richtig raushängt: Ich bin der Größte! Wenn Sie das als Frau machen, wird das in aller Regel sanktioniert. Als Frau darf ich nicht angeben, aber ich darf meinen Beitrag, meine Leistung durchaus sichtbar machen. Das muss ich auch. Sonst wird das nichts mit der Karriere.

ZEIT: Stichwort Sichtbarkeit: Dresscode für Frauen auf dem Karriereweg war lange Zeit der unauffällige Hosenanzug.

Knaths: Inzwischen können wir als Frau auch in Führungspositionen Rock tragen. Weibliches Selbstbewusstsein zeigt sich auch im Bekleidungsstil. Aber ich muss natürlich meiner Rolle und Position angemessen gekleidet sein.

ZEIT: Sprechen wir über den Auftritt, den Vortrag, die Präsentation. Müssen Sie hier Frauen anders beraten als Männer?

Knaths: Grundsätzlich gelten für beide dieselben Dinge. Aber es gibt typische Fallen, in die manche Frauen tappen. Viele von ihnen tragen im beruflichen Alltag Hosen. Nur zur Präsentation greifen sie zum Kostüm. Und schon sind die Kollegen damit beschäftigt, zu schauen, was sie für Beine hat. Die Inhalte des Vortrags sind darüber mitunter schnell vergessen.

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