Es gab in den vergangenen Jahren wesentlich detailliertere Biografien über Steve Jobs. Diese hier zeichnet sich dadurch aus, dass sie schnell gelesen und ziemlich gut gemacht ist. Jessie Hartland, Illustratorin und Autorin aus New York, erzählt das Leben des 2011 verstorbenen Apple-Gründers als Comic: in Schwarz-Weiß-Zeichnungen, die so aufs Wesentliche reduziert sind, dass sie fast kindlich anmuten – ein durchaus auch für Apple typischer Minimalismus.

Anders würde das rasante Leben des IT-Heiligen Jobs auch kaum auf 240 Seiten passen. Noch vor Beginn des ersten von insgesamt 13 Kapiteln stellt die Autorin ihre große Frage: Wie kann es sein, dass ausgerechnet so jemand wie Jobs der weltbeste Geschäftsmann werden konnte – ein Nonkonformist, Freak, Künstler?

Diese Deutung der Figur Steve Jobs ist nicht originell, doch das ist auch gar nicht Hartlands Anspruch. Sie konzentriert sich darauf, die vielen Erzählstränge, die sein Leben bietet, geschickt zu verweben: seine Förderung durch die Adoptiveltern, die Freundschaft mit dem späteren Apple-Co-Gründer Stephen Wozniak, erste Geschäfte, Aussteiger-Episoden auf einer Apfelplantage und in Indien, diverse Geschäftsübernahmen und Neugründungen, Apples Aufstieg zur wertvollsten Firma der Welt und schließlich Jobs’ lange geheim gehaltene Krankheit.

Dass dies alles so gut ineinandergreift, ist nur um den Preis gewisser Vereinfachungen zu haben: Man darf etwa bezweifeln, dass Jobs iTunes erfunden hat, allein um der angeschlagenen Musikindustrie aus der Patsche zu helfen. Andererseits kann man Hartland nicht vorwerfen, dass sie gänzlich unkritisch mit ihrem schillernden Protagonisten umspränge. Da lässt er seine erste Freundin samt gemeinsamem Baby in der Abgaswolke seines Motorrads stehen; proklamiert, wo es ihm dient, fremde Ideen für sich selbst; treibt seine Angestellten mit perfektionistischen Ansprüchen in den Wahnsinn: "Das ist Müll! Hirnlos! Lausig! Ändern!"

Schwerer tut sich Hartland mit der Frage nach seinem Antrieb – der zentralen Frage für eine Biografie. Sie entscheidet sich für: Jobs’ Intuition und seine Visionen. Diese Begriffe fallen im Buch, wann immer eine bedeutende Entscheidung ansteht oder ein großer Erfolg erklärt werden soll. An diesen Stellen argumentiert die Autorin nah am Apple-Marketing entlang, legt Jobs etwa Auszüge der berühmten "Think different"-Kampagne in den Mund – als ob es sich bei der Fernsehbotschaft um seine private Lebenseinstellung handle.

Hartland bedient sich für ihre Erklärung der Person Jobs also bei der maßgeblich von ihm selbst entworfenen Apple-Mythologie. Diese affirmative Haltung macht den Leser mitunter misstrauisch.

Doch vielleicht liegt hier sogar die Antwort auf ihre anfängliche Frage: Wer es vermag, das Image des Nonkonformisten und Künstlers zu bewahren, wenn er längst die Weltherrschaft an sich gerissen hat, wer seine Produkte noch als cool und individuell verkauft, wenn sie längst Mainstream sind, der muss der weltbeste Geschäftsmann sein.

Jessie Hartland: Steve Jobs. Das wahnsinnig geniale Leben des iPhone-Erfinders. Ab 12 Jahren; Deutsch von Ulrike Schimming; Fischer 2016; 240 S., 16,99 €