Es kommt nicht oft vor, dass Dirk Nockemann mit einem Türken verglichen wird. Nockemann ist Hamburger AfD-Abgeordneter, da ist die Verwechslungsgefahr gering. Doch nun warfen ihm seine Gegner vor, er verhalte sich wie Erdoğan. Wie jener türkische Präsident also, der hierzulande Komiker verklagt und Sinfoniekonzerte verhindern will. Auch Nockemann will ein Konzert verhindern: den Auftritt der Gruppe (Nockemann: "Gruppierung") Slime auf dem Hafengeburtstag.

Inständig warnte er in der Bürgerschaft vor der Gefahr, die von Slime ausgehe, besonders für Kinder und Polizisten. Das war nicht leicht. Satire darf (möglicherweise) alles, Abgeordnete der Bürgerschaft dürfen fast nichts. Der parlamentarische Sprachgebrauch ist streng, auch bei Zitaten. Und so durfte Nockemann inkriminierte Songtexte nur mit Auslassungen vorlesen, zum Beispiel den Aufruf, "den Punkt Punkt auf die Punkt Punkt" zu hauen.

Der Song heißt Bullenschweine, ist 36 Jahre alt, indiziert und wird von der Punkband nach eigener Aussage nicht mehr gespielt. Und wenn doch? Dann ist das ein Fall für die Justiz, die sich schon verschiedentlich mit dem Werk von Slime befasste.

Inzwischen sind die Slime-Texte übrigens subtiler geworden. Zuletzt sangen sie: "Die Menschen an den Grenzen sind die Geister, die wir riefen / und das weiß doch jedes Kind: Geister kann man nicht erschießen." Auch das mag Nockemann missfallen, weil es sich gegen seine Parteifreundin Frauke Petry richtet. Aber eines sollte den AfDler versöhnen: Solange Punkbands Goethe zitieren, kann es um die deutsche Leitkultur nicht so schlecht bestellt sein.