Tief gräbt sich die erdverschmierte Männerpranke ins Moosgewächs. "Du lebst. Erinnerst Du Dich?", raunt das Werbeplakat. Fast will man die Stimme in Peter-Maffay-Reibeisen-Modus verstellen und diese Sätze jedes Mal aussprechen, wenn man daran vorübergeht. Etwas morbide (wir leben, ja – aber die Hand?) kommt die aktuelle Kampagne für Hornbach daher, die die wichtigsten Preise der Werbebranche bereits abgesahnt hat. Pünktlich zur Gartensaison setzt der Baumarkt auf Evergreens des Zeitgeistes: Entfremdung, Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit, Achtsamkeit. Während die Plakatwerbung nämliche Männerhand auf verschiedenen Hintergründen (Holz, Klackermatsch) ausstellt, fächert der dazugehörige Onlineauftritt ein wahres Erlebnisangebot auf. "Weißt Du noch, wie sich Wasser anfühlt?", heißt es. "Hör es. Fühl es. Jetzt und hier." Über Kopfhörer wird ein Videoclip mit dem Geräusch übertragen, das Hände machen, wenn sie in einen Wasserbehälter eintauchen. Blumen, Gras, Steine – nicht etwa in der Stadt eingepferchte Kinder, die nicht mehr wissen, wie sich ein beherzter Griff in die Jauche anfühlt, sollen hier an die Natur herangeführt werden. Sondern der erwachsene Bürosklave, der das traurige, ewig anonyme Gefühl, auf dem Weg in die Moderne etwas Grundlegendes verloren zu haben, nicht mehr loswird. Ironischerweise soll er bei Hornbach seine Leere ausgerechnet per Mausklick wegtherapieren. Oder er traut sich doch vor die Tür, zum Baumarkt. Zu Teichbaufolie, Unkrautstecher, Motorhacke, Zierkies. Der Mensch, hat Schiller einmal gesagt, ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er buddelt, sagt Hornbach. Willkommen im Frühling.