Die Regel, dass der Chef kein Trinkgeld bekommt, stammt aus Zeiten, in denen der Besitzer eines Geschäfts noch deutlich besser verdiente als seine Angestellten. Die Bedienung war auf das Trinkgeld angewiesen, der Chef nicht. Zumindest in kleinen Geschäften ist das heute anders. Besitzern geht es finanziell oft nicht viel besser als ihrem Personal, auch sie freuen sich über eine Aufmerksamkeit.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 21 vom 12.5.2016.

Und selbst wenn Sie in einem großen, renommierten Restaurant essen und das Glück haben, vom Chef bedient zu werden, wird der es nicht als Affront ansehen, wenn Sie die Rechnung aufrunden – wahrscheinlich kommt das Trinkgeld dann in einen Topf, der unter dem Personal aufgeteilt wird.

Wenn Sie für Ihre Manieren eine höchstinstanzliche Absicherung brauchen: Auch der Große Knigge hat sich dem Zeitgeist angepasst – er kennt die alte Regel noch, erlaubt aber inzwischen das Trinkgeld für den Chef.

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